Freitagsserie I

Marek Janowski mit Bruckner, Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons mit Dvořáks »Aus der Neuen Welt«, Kurt Weill im Fokus »Tacheles« und Arvo Pärt mit Gidon Kremer: Serie I verbindet große Namen, starke Werke und besondere Saisonakzente.

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Konzerte der Freitagsserie I

19.30 Uhr
Großer Saal

Anton Bruckner — 8. Sinfonie c-Moll WAB 108 (2. Fassung von 1888/1890 in der Edition von Leopold Nowak)

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MUT UND WANDEL Bruckners 8. Sinfonie bekommt eine neue Wendung: Aus gesundheitlichen Gründen muss Ehrendirigent Herbert Blomstedt die Großen Concerte am 17., 18. und 20. September 2026 leider…

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Bitte beachten Sie die Besetzungsänderungen

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Leider musste Herbert Blomstedt das Dirigat der Großen Concerte 17./18./20. September 2026 aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wir freuen uns, dass Marek Janowski diese Konzerte übernehmen wird.

Marek Janowski wird Anton Bruckners 8. Sinfonie in der 2. Fassung von 1888/1890 in der Edition von Leopold Nowak dirigieren.

Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie I

Präsentiert von

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

MUT UND WANDEL

Bruckners 8. Sinfonie bekommt eine neue Wendung: Aus gesundheitlichen Gründen muss Ehrendirigent Herbert Blomstedt die Großen Concerte am 17., 18. und 20. September 2026 leider absagen. Für ihn übernimmt Marek Janowski das Pult des Gewandhausorchesters. Seine Einspielung ebendieser 8. Sinfonie mit dem Orchestre de la Suisse Romande wurde von der Kritik als Meilenstein der Bruckner-Interpretation gefeiert. Nun bringt er die zweite Fassung von 1888/1890 in der Edition Leopold Nowaks nach Leipzig – jene Fassung, die erst entstand, nachdem der Münchner Kapellmeister Hermann Levi 1887 die Uraufführung der Urfassung verweigerte und Bruckner zur Überarbeitung riet. Aus Zweifel wurde Größe: Von einem einzigen gehaltenen Ton wächst die Sinfonie zu einem der gewaltigsten Sätze der sinfonischen Literatur heran. Erleben Sie Bruckners Achte Sinfonie mit dem Gewandhausorchester – ein Höhepunkt der Großen Concerte 2026/2027.

19.30 Uhr
Großer Saal

Kurt Weill — Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Oper in drei Akten auf einen Text von Bertolt Brecht

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Fast 100 Jahre nach der Premiere der Brecht-Weill-Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« in Leipzig ist das Uraufführungsorchester nun mit zwei konzertanten Aufführungen eines der größten…

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Fast 100 Jahre nach der Premiere der Brecht-Weill-Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« in Leipzig ist das Uraufführungsorchester nun mit zwei konzertanten Aufführungen eines der größten Skandalstücke der Weimarer Republik zu erleben. Als »unverhohlen übelste kommunistische Propaganda« wurde die Oper kurz nach ihrer Uraufführung 1930 in Leipzig verschrien, nachdem Anhänger der NSDAP mit einer geplanten Störaktion für Tumulte sorgten, die die Fortführung der Vorstellung fast unmöglich machten. Den »Alabama Song« daraus (»Oh, moon of Alabama, we now must say good-bye ...«) kennt jeder, und sei es in der Coverversion von »The Doors«. Gefördert durch die New Yorker Kurt Weill Foundation for Music ist dieses Konzert sicherlich ein absolutes Highlight der Saison und führt zudem den »Tacheles«-Schwerpunkt zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 fort. 

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Ethel Smyth, Peter Tschaikowski, Antonín Dvořák

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Heiter bis wolkig Von friedlich bis düster wechseln die Lichtstimmungen: Geheimnisvoll und ein Aufbrausen vorausahnend beginnt Ethel Smyths Vorspiel zum zweiten Akt ihrer Oper »The Wreckers«.…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie I

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Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

Heiter bis wolkig

Von friedlich bis düster wechseln die Lichtstimmungen: Geheimnisvoll und ein Aufbrausen vorausahnend beginnt Ethel Smyths Vorspiel zum zweiten Akt ihrer Oper »The Wreckers«. Lautmalerisch peitscht der Wind die Wellen vor der Küste auf, um über die Klippen der südwestlichen Spitze Englands zu entschwinden. Gleich darauf verdichtet sich bei Tschaikowski alles zu einer der bekanntesten Liebesgeschichten. In der Fantasie-Ouvertüre »Romeo und Julia« stehen zarte, weit gespannte Melodien neben plötzlichen Ausbrüchen und scharf gezeichneten Konflikten. Auch Antonín Dvořák erzählt in seiner 9. Sinfonie von Sehnsucht und Fremdheit, Heimat und Ferne zugleich. Vertraute, fast liedhafte Themen treffen auf neue Klangfarben, Rhythmen und Weite – inspiriert durch seine Ankunft in der »Neuen Welt« oder doch unverkennbar böhmisch?

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Nikolai Kapustin, Dmitri Schostakowitsch

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VOM JAZZ BEFLÜGELTNikolai Kapustin, 31 Jahre jünger als Schostakowitsch, verbrachte sein Leben ab dem Studium in Moskau. Noch während er das Konservatorium absolvierte, entdeckte er den Jazz für sich,…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie I

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

VOM JAZZ BEFLÜGELT
Nikolai Kapustin, 31 Jahre jünger als Schostakowitsch, verbrachte sein Leben ab dem Studium in Moskau. Noch während er das Konservatorium absolvierte, entdeckte er den Jazz für sich, spielte und arrangierte für Big Bands, trat aber auch mit Sinfonieorchestern auf und begriff sich als Komponist im strengen, traditionellen Sinn. Seine Klangsprache ist wild und frei wie der Jazz – und geht doch perfekt in klassischen Formen auf. Höchster satztechnischer Anspruch, geschult an Bach und Beethoven, verbindet sich mit dem Geist der Improvisation. Akribisch notiert und präzise konstruiert ist seine Musik, und doch meint man, sie entstünde im Moment, in scheinbar spontaner Perfektion. Manchmal wünschte ich, ich könnte meine Vergangenheit neu schreiben und sie perfektionieren wie die Musik, die ich komponiere, sagte der Außenseiter, der am Liebsten zurückgezogen an Partituren tüftelte. Doch unser Leben ist Improvisation, immer spontan, immer im Moment und immer frei.

NERVEN WIE BASSSAITEN
Rhythmisch, harmonisch und pianistisch sind seine Werke höchst anspruchsvoll und fordern Solisten, die wie Kapustin klassisch ausgebildete Virtuosen und versierte Jazzer zugleich sind. Das vierte seiner sechs Klavierkonzerte aus dem Jahr 1989 rauscht ohne Unterbrechung Perkussions-befeuert dahin, halsbrecherisch energiegeladen, mit Spielfreude und Abenteuerlust.

VIEL SCHEIN UND NOCH MEHR SEIN
Schostakowitsch, der Alleskönner, schüttelte bei Gelegenheit auch Jazz aus dem Ärmel, war aber Stratege genug, nicht alles auf diese Karte zu setzen und den Flirt rasch wieder zu beenden, als es politisch nicht mehr opportun war. Die 5. Sinfonie aus Kapustins Geburtsjahr 1937 diente sich dem Stalin-Regime als gehorsamer Kniefall des abtrünnigen, scharf kritisierten Künstlers an. Nach der vernichtenden Kampagne gegen seine Lady Macbeth hatte Schostakowitsch die 4. Sinfonie vor der Uraufführung zurückgezogen, komponierte innerhalb kürzester Zeit um sein Leben die kurskorrigierende Fünfte und präsentierte sie der Öffentlichkeit als Werden einer Persönlichkeit, die durch Prüfungen gegangen ist. Die ersten Aufführungen ernteten tosenden Beifall, und die staatlich gelenkte Presse zeigte sich hocherfreut, dass der gemaßregelte Künstler wieder auf den rechten Weg zurückgefunden habe. Doch unter dramatischen Bedingungen ist ihm ein Werk gelungen, das akute Zwecke weit hinter sich lässt und über dessen Größe, Gehalt und Überwältigungspotenzial man nur staunen kann.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Arvo Pärt, Philip Glass, Mieczysław Weinberg

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OST & WESTOrient & Occident entstand 2000 im Auftrag der Berliner Festspiele. Dort wurde es vom Litauischen Kammerorchester am 30. September unter Saulius Sondeckis aus der Taufe gehoben. Es ist…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
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Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

OST & WEST
Orient & Occident entstand 2000 im Auftrag der Berliner Festspiele. Dort wurde es vom Litauischen Kammerorchester am 30. September unter Saulius Sondeckis aus der Taufe gehoben. Es ist diesen ersten Interpreten gewidmet, mit denen der Komponist oft zusammenarbeitete. Die Erstaufführung in Estland bestritt am 21. Januar 2001 die Kremerata Baltica. Die Komposition nimmt Bezug auf das Nizänische Credo im Kirchenslawisch, das – oft unisono oder schlicht harmonisiert – instrumental deklamiert wird. Das Glaubensbekenntnis verbindet Ost- und Westkirche, und die Musik vermengt – so heißt es – orientalische und okzidentale Klanglichkeit.

VIOLINE & VIOLONCELLO
Um für Streicher schreiben zu können, hatte Glass während seines Studiums eigens Unterricht im Violinspiel bei einer Kommilitonin genommen. 2010 erhielt er den Auftrag des Niederländischen Tanztheaters, den er mit einem Doppelkonzert für Violine und Violoncello erfüllte, um dem »Pas de deux« der Haupttänzer zu entsprechen. Es besteht aus vier zeitlos-wohltönenden Duetten, die drei Orchester-Sätze einfassen. Am 22. April 2010 gelangte es zur Uraufführung. Das Residentie Orkest unter Jurjen Hempel musizierte mit Cecilia Bernardini und Maarte-Maria den Herder. Auch Gidon Kremer, der in dieser Konzertwoche seinen 80. Geburtstag feiert, reihte sich mehrfach unter die Interpreten.

KREMER & WEINBERG
Sowohl Gidon Kremer als auch Mirga Gražinytė-Tyla machten sich um die Wiederentdeckung des Schaffens von Mieczysław Weinberg verdient. Die 1. Sinfonie wurde zum biografischen Schlüsselstück für Weinberg und seinen weiteren Werdegang. Die Partitur gelangte aus Taschkent, wohin Weinberg aus Warschau über Minsk vor den Nationalsozialisten geflohen war, zu Dmitri Schostakowitsch nach Moskau, der sich fortan für den Kollegen einsetzte, engen künstlerischen Austausch pflegte und neue Werke gemeinsam mit ihm vierhändig am Klavier erprobte. Weinbergs traditioneller Viersätzigkeit folgende Sinfonie ist der Roten Armee gewidmet, die ihn vor Hitlers Truppen bewahrte.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Béla Bartók, Hans Werner Henze, Paul Hindemith

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SIE BRAUCHT SINN UND FREIHEITJedem war klar, dass Mathis der Maler kein Portrait eines Künstlers vergangener Zeiten war. Hindemith, Librettist und Komponist in Personalunion, hatte das historische…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

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SIE BRAUCHT SINN UND FREIHEIT
Jedem war klar, dass Mathis der Maler kein Portrait eines Künstlers vergangener Zeiten war. Hindemith, Librettist und Komponist in Personalunion, hatte das historische Sujet in eine allzeit aktuelle Parabel auf die fatalen Auswirkungen gesellschaftlicher, politischer und religiöser Repressalien für Kunst verwandelt. Er wusste, dass man Oper und Sinfonie auf die Gegenwart beziehen würde. Als die Oper am 28. Mai 1938 in Zürich zur Uraufführung kam – in Deutschland war an Darbietungen nicht zu denken –, hatte der Gang der Geschichte die pessimistische Botschaft bereits bestätigt.

SIE BRAUCHT FÜRSPRECHER UND FÖRDERER
Der Sinfonie Mathis der Maler war 1934 noch ein überwältigender Uraufführungserfolg beschieden gewesen. Furtwängler hatte den bereits an der Oper arbeitenden Hindemith um ein Orchesterwerk für die Berliner Philharmoniker gebeten. Er wollte dem Komponisten damit den Rücken stärken – und brachte sich mit öffentlichem Eintreten für Hindemith selbst in die Bredouille. »Der Fall Hindemith« wurde zum Politikum, der Komponist mit Hetzkampagnen diffamiert und seine Musik mit Aufführungs- und Sendeverboten geächtet. Hindemith zog sich aus seinen Ämtern, aus Deutschland und schließlich aus Europa zurück. Wie Bartók, der Deutschland 1933 – nach der Premiere des 2. Klavierkonzerts in Frankfurt – demonstrativ den Rücken gekehrt hatte, emigrierte er über Zwischenstationen 1940 in die USA.

UND WIR BRAUCHEN SIE
Im Gewissenskonflikt zwischen Berufung zur Kunst und moralischer Verpflichtung, verschärft durch Unfreiheit in der Ausübung der Kunst, fühlte sich Hindemith seinem Geschöpf Mathis verbunden. Doch anders als der Opern-Protagonist, der an quälender, zeitbedingter Sinn- und Wirkungslosigkeit seiner Kunst zerbricht, legte Hindemith den Pinsel nicht weg. Vielmehr folgten die produktivsten Phasen seines Lebens. Im orchestralen Triptychon aus Engelskonzert, Grablegung und Versuchung des heiligen Antonius, das auf »Mathis« Grünewalds Isenheimer Altar Bezug nimmt, schuf Hindemith, was er am historischen Vor-Bild bewunderte: bahnbrechend Neues aus dem unerschöpflichen Fundus des Alten. Weder moderne noch archaische Züge der Musik befremden, sondern überwältigen mit der zeitlosen Expressivität des Isenheimer Altars, die Thomas Mann, Brecht und Rilke, Macke, Klee und Beckmann in Bann schlug. Alles Entsetzliche, das bevorsteht, ist hier vorweggenommen, empfand Elias Canetti. Der Finger des Johannes, ungeheuerlich, weist darauf hin.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann