Ein Tag im Leben eines Betreuers
07.04.2026 · Constanze Wolff (60), Katja Rameil (50), Annette Rieprecht (48), Christoph Teich (23), Mareike Suck (28), Antonia Andrae (29) · China-Reise, Frühjahr 2026
07:30 Uhr: Schichtbeginn im Frühstücksraum. Das Buffet muss sondiert und auf Koffein-Tauglichkeit geprüft werden, bevor langsam alle Kinder eintrudeln und sich hoffentlich gewissenhaft am Betreuer-Tisch anmelden. Das erste Bangen beginnt, denn wenn jemand fehlt, beginnt der (bis zu 15-minütige) Kampf ums Aufwecken – mal mehr, mal weniger erfolgreich…
Heute hatten wir Erfolg: nur ein Zimmer hat verschlafen und wir konnten sogar zwei Minuten vor geplanter Abfahrtszeit zum Bahnhof Wuhan aufbrechen. Voll beladen mit Wasserflaschen, Kisten voller Tütensuppen, Bananen und Wackelpudding, Medizinkoffer und Cajon stürzten wir uns ins Bahnhofsgetümmel. Reisepässe und Zugtickets werden mehrfach ausgeteilt und eingesammelt. Grund zur Freude: heute ist der ganze Chor in einem Abteil platziert. Problem: über 60 Koffer müssen durch nur zwei Türen verladen werden. Aber das sind keine Hürden für ein im Koffer-Tetris erfahrenes Betreuerteam, und als der Zug den Bahnhof verlässt, haben alle einen Sitzplatz gefunden. Die Kartenspiele werden ausgepackt, die Landschaft bestaunt, Musik gehört und manche ruhen sich einfach mal so richtig aus. Wir erfüllen die letzten Sitzplatz-Tauschwünsche und verteilen die bereits erwähnten Suppen, Bananen, Cracker und Pudding. Hinterher wird natürlich auch der Müll wieder eingesammelt und fachmännisch entsorgt, die Zimmerwünsche fürs nächste Hotel sortiert und damit einhergehende Konflikte gewohnt sensibel besprochen.
Die vier Stunden Zugfahrt vergehen wie im Flug. Die Betreuer-Frühschicht endet und die Spätschicht beginnt, allerdings ohne Personalwechsel. Auf dem Bahnsteig und im Bus werden die Kinder mehrfach gezählt und auf der kurzen Fahrt ins Hotel bestaunen wir Hangzhou. Beim Check-In verteilen wir die Zimmerkarten, immer ausgeknobelt so sortiert, dass die Betreuerinnen die Chormitglieder aus ihrer Gruppe nah beieinanderhaben und schnell alle Zimmer erreichen können. Nachdem wir herausgefunden haben, dass „10“ am Anfang der Zimmernummer den 10. Stock, eine „89“ aber den 9. Stock beschreibt, hatten dann alle auch eine Chance, ihre Zimmer zu finden. An die Roboter, die manchmal aus den Fahrstühlen selbstständig ein- und aussteigen und bestelltes Essen auf die Hotelzimmer ausliefern, haben wir uns noch nicht gewöhnt...
Zum Abendessen treffen wir uns im Hotelrestaurant und überlegen gemeinsam, wie wir die überschüssige Energie des Reisetages kanalisieren und ein tolles Gruppenerlebnis generieren können. Die Lösung ist auch hier schnell gefunden: der naheliegende Park mit Blick über den Fluss und die Skyline, karaokebegeisterten chinesischen „Omas“ und einer Hundewiese erfreut Chormitglieder, Betreuerinnen und auch das mitgereiste Kleinkind.
Zurück in der Lobby gibt es Ansagen zum Folgetag und eine halbe Stunde später beginnt der Betreuerrundgang zur Nachtruhe – damit auch die Nachtschicht. Als endlich alle auf ihren Zimmern sind, treffen sich die Betreuer nochmal zum sogenannten „Abendsegen“: Erlebnisse und Unwägbarkeiten des Tages werden ausgetauscht, der kommende Tag besprochen und Fotos für den Blogbeitrag rausgesucht. Heute gab es eine besondere Zusatzmission: alle Themen müssen bis Mitternacht besprochen sein, denn ab da steht Frau Wolff geburtstagsbedingt ganz allein im Mittelpunkt <3.
Schicht im Schacht!