75. Gastspiel des Gewandhausorchesters in Wien

11.11.2025  ·  Herbst-Tournee NOV 2025

Mit dem ersten Konzert dieser Herbst-Tournee am gestrigen 10. November 2025 feierte das Gewandhausorchester sein 75. Gastkonzert in der österreichischen Hauptstadt – ein Meilenstein einer jahrzehntelangen künstlerischen Gastspiel-Freundschaft, die 1960 begann.

Das Programm vereinte an diesem Abend drei große Namen der Musikgeschichte: Haydn, Mendelssohn und Brahms. Eröffnet wurde das Konzert mit Joseph Haydns 22. Sinfonie Es-Dur Hob. I:22 („Der Philosoph“). Im Anschluss begeisterte der koreanische Pianist Seong-Jin Cho mit einer nuancenreichen Interpretation von Mendelssohns 1. Klavierkonzert g-Moll op. 25, das Virtuosität, jugendliche Energie und poetische Zartheit vereint. Nach der Pause erklang Johannes Brahms’ 3. Sinfonie F-Dur op. 90.

Johannes Brahms und das Gewandhausorchester

Die erste Aufführung des Deutschen Requiems (1868) und die Uraufführung der vollständigen Fassung in Leipzig (1869) gelten als Durchbruch für Johannes Brahms (1833-1897) als weithin anerkannter Komponist. Vor allem die euphorischen Besprechungen der Leipziger Aufführung durch die in Leipzig ansässigen Musikzeitschriften entfalteten überregional Wirkung. Schnell wurde Brahms zum verehrtesten lebenden deutschen Komponisten neben Wagner und nach dessen Tod auch zum erfolgreichsten, der in einem Atemzug mit Bach und Beethoven genannt werden durfte.

Brahms besuchte Leipzig 13 Mal als Dirigent und Pianist und er überließ dem Gewandhausorchester die Uraufführung von vier wichtigen Kompositionen – mehr als jeder anderen Stadt (außer Wien): Die Klaviersonate C-Dur op.1 wird am 17.12.1853 uraufgeführt, am 5.2.1874 die Orchesterfassung der 3 Ungarischen Tänze WoO 1 und an Neujahr 1879 das Violinkonzert D-Dur op. 79 sowie die Uraufführung der vollständigen Fassung des „Deutschen Requiems“ am 18.2.1869.

Die Leipziger Erstaufführungen der 1., 2. und 3. Sinfonie sowie der Akademischen Festouvertüre und der Tragischen Ouvertüre dirigierte Brahms persönlich kurz nach den Uraufführungen. Bei den Leipzig-Premieren seiner beiden Klavierkonzerte saß er als Solist am Klavier.

Die Übernahme der Gewandhauskapellmeister-Position durch Arthur Nikisch (1895) bescherte Brahms einen bis heute zentralen Platz im Gewandhausorchester-Repertoire.