Spielplan des Gewandhauses

19.30 Uhr
Großer Saal

Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.

Anton Bruckner — 8. Sinfonie c-Moll WAB 108 (2. Fassung von 1890, neu herausgegeben von Paul Hawkshaw)

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WAGEMUT UND WANKELMUTEr habe nicht den Muth sie aufzuführen. Orchester und Publikum würden, deßen bin ich sicher, den größten Widerstand leisten, bekannte der mit allen Wagner-Wassern gewaschene…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.
Abos: VARIO, Serie I

Präsentiert von

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

WAGEMUT UND WANKELMUT
Er habe nicht den Muth sie aufzuführen. Orchester und Publikum würden, deßen bin ich sicher, den größten Widerstand leisten, bekannte der mit allen Wagner-Wassern gewaschene Münchner Kapellmeister Hermann Levi, dem Bruckner 1887 die Premiere seiner 8. Sinfonie antrug, und riet dem Komponisten: Verlieren Sie nicht den Muth, nehmen Sie Ihr Werk noch einmal vor, beraten Sie sich mit Ihren Freunden, vielleicht läßt sich durch eine Umarbeitung viel erreichen. Bruckner war hart getroffen und überarbeitete die Achte grundlegend. Blomstedt legt nun neu ediert Bruckners Zweitfassung aufs Pult. Und resümiert: Das ist eine Wundersinfonie!

ANMUT UND ÜBERMUT
Wir spüren es: hier beginnt nicht ein Musikstück, sondern die Musik selbst hebt an, sinnierte August Halm, der erste Musikforscher, der Bruckners Sinfonik zum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung machte. Von einem einzigen Ton der Hörner und tremolierenden Violinen expandiert die Achte. Zwei Beckenschläge heben den Höhepunkt im Zentrum des Adagio wie eine heilige Handlung hervor. Zum Ziel wird am Ende des Finales die simultane Vereinigung der zuvor entfalteten Gedanken. In atemberaubender Gleichzeitigkeit ertönen anderthalb Stunden Musik verdichtet zu 15 Sekunden. Nach dem gewaltigsten Sinfoniesatz, den Bruckner je komponiert hat, konzentriert sich die räumliche und zeitliche Weite wieder auf einen Ton und ein gemeinsam vom ganzen Orchester formuliertes Schlussstatement. Wir spüren es: Hier gipfelt nicht ein Musikstück, sondern die Musik selbst ist an einen Gipfel gelangt.

DEMUT UND GROSSMUT
Als Mensch war Bruno Walter der feinste. Ich habe ihn bedingungslos bewundert. Herbert Blomstedt zählt den 13. Gewandhauskapellmeister, dessen Geburtstag sich am 15. September zum 150. Mal jährt, zu seinen wichtigsten Vorbildern. Walter hat nicht nur als Mahler-, sondern auch als Bruckner-Dirigent Interpretationsgeschichte geschrieben und Referenzaufnahmen mit amerikanischen Orchestern vorgelegt. Hätte der jüdische Künstler nicht auf politischen Druck viel zu früh aus seinem Leipziger Amt weichen müssen, wäre aus den Aufführungen der Sinfonien 4, 5, 6, 8 und 9 mit dem Gewandhausorchester gewiss ein kompletter Zyklus geworden. Er hat intensiv Musik gemacht, war aber sehr rücksichtvoll gegenüber seinen Mitspielern, berichtet Blomstedt, der Walter persönlich kennenlernte und dessen Haltung teilt: Als Walter 1929 Furtwänglers Nachfolge als Gewandhauskapellmeister antrat, sagte er zum Orchester: »Ich werde es Ihnen musikalisch möglichst schwer machen, aber im Leben möglichst leicht.« Für diese Philosophie braucht man große musikalische Ambitionen, aber auch viel Verständnis und Geduld.

Text: Dr. Ann-Kathrin Zimmermann

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19.30 Uhr
Großer Saal

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Anton Bruckner — 8. Sinfonie c-Moll WAB 108 (2. Fassung von 1890, neu herausgegeben von Paul Hawkshaw)

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WAGEMUT UND WANKELMUTEr habe nicht den Muth sie aufzuführen. Orchester und Publikum würden, deßen bin ich sicher, den größten Widerstand leisten, bekannte der mit allen Wagner-Wassern gewaschene…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
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Abos: VARIO, Serie I

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Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

WAGEMUT UND WANKELMUT
Er habe nicht den Muth sie aufzuführen. Orchester und Publikum würden, deßen bin ich sicher, den größten Widerstand leisten, bekannte der mit allen Wagner-Wassern gewaschene Münchner Kapellmeister Hermann Levi, dem Bruckner 1887 die Premiere seiner 8. Sinfonie antrug, und riet dem Komponisten: Verlieren Sie nicht den Muth, nehmen Sie Ihr Werk noch einmal vor, beraten Sie sich mit Ihren Freunden, vielleicht läßt sich durch eine Umarbeitung viel erreichen. Bruckner war hart getroffen und überarbeitete die Achte grundlegend. Blomstedt legt nun neu ediert Bruckners Zweitfassung aufs Pult. Und resümiert: Das ist eine Wundersinfonie!

ANMUT UND ÜBERMUT
Wir spüren es: hier beginnt nicht ein Musikstück, sondern die Musik selbst hebt an, sinnierte August Halm, der erste Musikforscher, der Bruckners Sinfonik zum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung machte. Von einem einzigen Ton der Hörner und tremolierenden Violinen expandiert die Achte. Zwei Beckenschläge heben den Höhepunkt im Zentrum des Adagio wie eine heilige Handlung hervor. Zum Ziel wird am Ende des Finales die simultane Vereinigung der zuvor entfalteten Gedanken. In atemberaubender Gleichzeitigkeit ertönen anderthalb Stunden Musik verdichtet zu 15 Sekunden. Nach dem gewaltigsten Sinfoniesatz, den Bruckner je komponiert hat, konzentriert sich die räumliche und zeitliche Weite wieder auf einen Ton und ein gemeinsam vom ganzen Orchester formuliertes Schlussstatement. Wir spüren es: Hier gipfelt nicht ein Musikstück, sondern die Musik selbst ist an einen Gipfel gelangt.

DEMUT UND GROSSMUT
Als Mensch war Bruno Walter der feinste. Ich habe ihn bedingungslos bewundert. Herbert Blomstedt zählt den 13. Gewandhauskapellmeister, dessen Geburtstag sich am 15. September zum 150. Mal jährt, zu seinen wichtigsten Vorbildern. Walter hat nicht nur als Mahler-, sondern auch als Bruckner-Dirigent Interpretationsgeschichte geschrieben und Referenzaufnahmen mit amerikanischen Orchestern vorgelegt. Hätte der jüdische Künstler nicht auf politischen Druck viel zu früh aus seinem Leipziger Amt weichen müssen, wäre aus den Aufführungen der Sinfonien 4, 5, 6, 8 und 9 mit dem Gewandhausorchester gewiss ein kompletter Zyklus geworden. Er hat intensiv Musik gemacht, war aber sehr rücksichtvoll gegenüber seinen Mitspielern, berichtet Blomstedt, der Walter persönlich kennenlernte und dessen Haltung teilt: Als Walter 1929 Furtwänglers Nachfolge als Gewandhauskapellmeister antrat, sagte er zum Orchester: »Ich werde es Ihnen musikalisch möglichst schwer machen, aber im Leben möglichst leicht.« Für diese Philosophie braucht man große musikalische Ambitionen, aber auch viel Verständnis und Geduld.

Text: Dr. Ann-Kathrin Zimmermann

Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.

19.30 Uhr
Großer Saal

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Kurt Weill — Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Oper in drei Akten auf einen Text von Bertolt Brecht

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»KRACH IN LEIPZIG«titelte der Bericht zur Leipziger Uraufführung: Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny [...] sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den…

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»KRACH IN LEIPZIG«
titelte der Bericht zur Leipziger Uraufführung: Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny [...] sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den Aufstieg. [...] In Leipzig bekommt man Bücher, Pelze, Fluchtgedanken und zur Messezeit kein Zimmer, in Mahagonny Whiskey, sangbare Ironien, Huren, einschmeichelnd formulierte Hinweise auf die Niederträchtigkeit der menschlichen Natur und Ordnung, sowie Bitterkeiten mit Füllung von verschiedenem Geschmack, der in keinem Fall jener der Leipziger Bürgerschaft ist. 

»DASS MAN HIER ALLES DÜRFEN DARF«?
Mit anderen Worten: Die Leipziger Premiere der Brecht-Weill-Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am 9. März 1930 unter der Regie von Walther Brügmann und dem Dirigat Gustav Brechers geriet zum größten Theaterskandal der Weimarer Republik, wurde von der Lokalpresse als unverhohlen übelste kommunistische Propaganda diffamiert und löste heftige Stadtratsdebatten aus. Die Tumulte im Zuschauerraum waren von randalierenden NSDAP-Mitgliedern gezielt befeuert worden. Das Haus tobte derart, daß man auf der Bühne vom Orchester buchstäblich nichts mehr zu hören bekam, berichtet ein Korrepetitor. Brecher dirigierte die Oper kalkbleich zu Ende. Drei Jahre später musste der Opernkapellmeister während einer massiv von der SA gestörten Aufführung von Weills Silbersee das Dirigierpodium verlassen und schließlich aus dem Amt weichen. Auf der Flucht nahm sich Gustav Brecher 1940 gemeinsam mit seiner Frau das Leben. Weill, ebenfalls jüdischer Herkunft, emigrierte über Paris und London in die USA.

»VERMEIDEN SIE ANSTÖSSIGE GESÄNGE!«
Im März 1927 hatten sich der 29-jährige Brecht und der zwei Jahre jüngere Weill in Berlin kennengelernt. Das später zur dreiaktigen Oper erweiterte Mahagonny-Songspiel markiert den Beginn ihrer Zusammenarbeit. Verbrecher gründen die Fantasiestadt, in der man alles dürfen darf. Bald stellt die ausschweifende Gesellschaft fest: Schlimm ist der Hurrikan, schlimmer der Taifun, doch am schlimmsten ist der Mensch, verurteilt den Protagonisten wegen des Singens verbotener Lieder bei Hurrikan und ähnlicher Vergehen zum Tode, und torkelt vom Erfolgsrausch in den Katastrophenkater. Die lockere Form aneinandergereihter Sittenbilder des 20. Jahrhunderts fügt sich laut Weill zu einem Gleichnis vom heutigen Leben – ein Heute, das leider nie gestrig wird.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

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Kurt Weill — Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Oper in drei Akten auf einen Text von Bertolt Brecht

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»KRACH IN LEIPZIG«titelte der Bericht zur Leipziger Uraufführung: Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny [...] sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den…

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»KRACH IN LEIPZIG«
titelte der Bericht zur Leipziger Uraufführung: Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny [...] sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den Aufstieg. [...] In Leipzig bekommt man Bücher, Pelze, Fluchtgedanken und zur Messezeit kein Zimmer, in Mahagonny Whiskey, sangbare Ironien, Huren, einschmeichelnd formulierte Hinweise auf die Niederträchtigkeit der menschlichen Natur und Ordnung, sowie Bitterkeiten mit Füllung von verschiedenem Geschmack, der in keinem Fall jener der Leipziger Bürgerschaft ist.

»DASS MAN HIER ALLES DÜRFEN DARF«?
Mit anderen Worten: Die Leipziger Premiere der Brecht-Weill-Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am 9. März 1930 unter der Regie von Walther Brügmann und dem Dirigat Gustav Brechers geriet zum größten Theaterskandal der Weimarer Republik, wurde von der Lokalpresse als unverhohlen übelste kommunistische Propaganda diffamiert und löste heftige Stadtratsdebatten aus. Die Tumulte im Zuschauerraum waren von randalierenden NSDAP-Mitgliedern gezielt befeuert worden. Das Haus tobte derart, daß man auf der Bühne vom Orchester buchstäblich nichts mehr zu hören bekam, berichtet ein Korrepetitor. Brecher dirigierte die Oper kalkbleich zu Ende. Drei Jahre später musste der Opernkapellmeister während einer massiv von der SA gestörten Aufführung von Weills Silbersee das Dirigierpodium verlassen und schließlich aus dem Amt weichen. Auf der Flucht nahm sich Gustav Brecher 1940 gemeinsam mit seiner Frau das Leben. Weill, ebenfalls jüdischer Herkunft, emigrierte über Paris und London in die USA.

»VERMEIDEN SIE ANSTÖSSIGE GESÄNGE!«
Im März 1927 hatten sich der 29-jährige Brecht und der zwei Jahre jüngere Weill in Berlin kennengelernt. Das später zur dreiaktigen Oper erweiterte Mahagonny-Songspiel markiert den Beginn ihrer Zusammenarbeit. Verbrecher gründen die Fantasiestadt, in der man alles dürfen darf. Bald stellt die ausschweifende Gesellschaft fest: Schlimm ist der Hurrikan, schlimmer der Taifun, doch am schlimmsten ist der Mensch, verurteilt den Protagonisten wegen des Singens verbotener Lieder bei Hurrikan und ähnlicher Vergehen zum Tode, und torkelt vom Erfolgsrausch in den Katastrophenkater. Die lockere Form aneinandergereihter Sittenbilder des 20. Jahrhunderts fügt sich laut Weill zu einem Gleichnis vom heutigen Leben – ein Heute, das leider nie gestrig wird.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.

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Werke von Ethel Smyth, Peter Tschaikowski, Antonín Dvořák

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AUS DER ALTEN STADT . . .Leipzig!! Here I am!!, triumphierte Ethel Smyth, als alle Widerstände überwunden waren und sie 1877 zum Studium in der Musikstadt ihrer Träume eintraf. Ganz so traumhaft wie…

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Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

AUS DER ALTEN STADT . . .
Leipzig!! Here I am!!, triumphierte Ethel Smyth, als alle Widerstände überwunden waren und sie 1877 zum Studium in der Musikstadt ihrer Träume eintraf. Ganz so traumhaft wie erträumt waren Leipzig und sein Konservatorium nicht. Blitzschnell lernte die Engländerin wesentliche Merkmale deutscher Kultur kennen, schätzen und fürchten – etwa das omnipräsente Schild mit der Aufschrift »VERBOTEN«. Erlaubt war das Studium eines für Frauen sonst verschlossenen Fachs: Komposition. Ergänzender Privatunterricht bei Heinrich von Herzogenberg machte Smyth nicht nur mit Bach- und Schachspiel vertraut, sondern auch mit dessen Frau Elisabeth, die Smyth, Hals über Kopf verliebt, die glücklichsten Jahre ihres Lebens bescherte. Im Salon der Herzogenbergs lernte sie durchreisende Künstler wie Dvořák und Tschaikowski kennen, der von Leipzig zur ersten internationalen Tournee aufbrach.

. . . AUF WILDEM WEG . . .
Tschaikowski blieb die Begegnung in lebhafter Erinnerung: Wir saßen um den Teetisch, als plötzlich ein Bernhardiner-Mischling hereinstürmte und alle freudig begrüßte. »Das bedeutet, dass Miss Smyth jeden Moment eintreffen wird!« riefen alle zugleich, und tatsächlich stand eine große Engländerin in der Tür, die mir als professionelle Kollegin vorgestellt wurde. [Sie hat] Potenzial, eine ernsthafte Komponistin zu werden. Da natürlich keine Engländerin ohne exzentrische Spleens auskommt, setzte Smyth dem Leipziger Premieren- Erfolg ihrer Oper The Wreckers ein jähes Ende, indem sie – über Kürzungen zürnend – bei Nacht und Nebel im Orchestergraben alle Noten samt Partitur von den Pulten einsammelte und sich damit in den nächsten Zug setzte. Günstiger wurde ihr künstlerischer Eigensinn aufgenommen: Sie ist keine Wagnerianerin, sie ist keine Brahmsianerin, sie ist keine Straussianerin [...]. Sie geht ihren eigenen Weg. Den säumen berückende Momente kammermusikalischer Intimität mit Harfen-umgarnten Soli der Bläser ebenso wie machtvolle Gesten und hymnisches Pathos des groß besetzten Orchesters.

. . . IN DIE NEUE WELT
Als die Neue Welt noch nicht alt aussah, lockte sie Dvořák mit dem Auftrag, als Komponist und Lehrkraft Fundamente eines nationalen Tons zu legen. Doch so alt wie die Sinfonie »aus der Neuen Welt« ist die Diskussion, was daran tatsächlich »aus der Neuen Welt« stamme. Für die New Yorker Hörerschaft war der Fall klar: »Dr. Dvoraks American Symphony« war dem Rhythmen- und Melodienschatz der »negros« und »indians« verbunden und darum durch und durch »amerikanisch«. Seinen Landsleuten zuhause war sie böhmisch gefärbter Beweis seiner Heimatverbundenheit. Mit anderen Worten: Die Qualität von Dvořáks scheinbar nationaler Musiksprache liegt in ihrer tatsächlichen Universalität.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

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Werke von Ethel Smyth, Peter Tschaikowski, Antonín Dvořák

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AUS DER ALTEN STADT . . .
Leipzig!! Here I am!!, triumphierte Ethel Smyth, als alle Widerstände überwunden waren und sie 1877 zum Studium in der Musikstadt ihrer Träume eintraf. Ganz so traumhaft wie erträumt waren Leipzig und sein Konservatorium nicht. Blitzschnell lernte die Engländerin wesentliche Merkmale deutscher Kultur kennen, schätzen und fürchten – etwa das omnipräsente Schild mit der Aufschrift »VERBOTEN«. Erlaubt war das Studium eines für Frauen sonst verschlossenen Fachs: Komposition. Ergänzender Privatunterricht bei Heinrich von Herzogenberg machte Smyth nicht nur mit Bach- und Schachspiel vertraut, sondern auch mit dessen Frau Elisabeth, die Smyth, Hals über Kopf verliebt, die glücklichsten Jahre ihres Lebens bescherte. Im Salon der Herzogenbergs lernte sie durchreisende Künstler wie Dvořák und Tschaikowski kennen, der von Leipzig zur ersten internationalen Tournee aufbrach.

. . . AUF WILDEM WEG . . .
Tschaikowski blieb die Begegnung in lebhafter Erinnerung: Wir saßen um den Teetisch, als plötzlich ein Bernhardiner-Mischling hereinstürmte und alle freudig begrüßte. »Das bedeutet, dass Miss Smyth jeden Moment eintreffen wird!« riefen alle zugleich, und tatsächlich stand eine große Engländerin in der Tür, die mir als professionelle Kollegin vorgestellt wurde. [Sie hat] Potenzial, eine ernsthafte Komponistin zu werden. Da natürlich keine Engländerin ohne exzentrische Spleens auskommt, setzte Smyth dem Leipziger Premieren- Erfolg ihrer Oper The Wreckers ein jähes Ende, indem sie – über Kürzungen zürnend – bei Nacht und Nebel im Orchestergraben alle Noten samt Partitur von den Pulten einsammelte und sich damit in den nächsten Zug setzte. Günstiger wurde ihr künstlerischer Eigensinn aufgenommen: Sie ist keine Wagnerianerin, sie ist keine Brahmsianerin, sie ist keine Straussianerin [...]. Sie geht ihren eigenen Weg. Den säumen berückende Momente kammermusikalischer Intimität mit Harfen-umgarnten Soli der Bläser ebenso wie machtvolle Gesten und hymnisches Pathos des groß besetzten Orchesters.

. . . IN DIE NEUE WELT
Als die Neue Welt noch nicht alt aussah, lockte sie Dvořák mit dem Auftrag, als Komponist und Lehrkraft Fundamente eines nationalen Tons zu legen. Doch so alt wie die Sinfonie »aus der Neuen Welt« ist die Diskussion, was daran tatsächlich »aus der Neuen Welt« stamme. Für die New Yorker Hörerschaft war der Fall klar: »Dr. Dvoraks American Symphony« war dem Rhythmen- und Melodienschatz der »negros« und »indians« verbunden und darum durch und durch »amerikanisch«. Seinen Landsleuten zuhause war sie böhmisch gefärbter Beweis seiner Heimatverbundenheit. Mit anderen Worten: Die Qualität von Dvořáks scheinbar nationaler Musiksprache liegt in ihrer tatsächlichen Universalität.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

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