Fri

18. Nov 2022

20.00
Großer Saal

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Musical works of Sergej Rachmaninoff , Sofia Gubaidulina , Dmitri Schostakowitsch

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IN DER KREIDE Gubaidulinas Märchenpoem entstand für eine Rundfunksendung über das tschechische Märchen Die kleine Kreide zu einer Zeit, da sich die Komponistin mit Film- und Hörspielmusik über Wasser…

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IN DER KREIDE

Gubaidulinas Märchenpoem entstand für eine Rundfunksendung über das tschechische Märchen Die kleine Kreide zu einer Zeit, da sich die Komponistin mit Film- und Hörspielmusik über Wasser hielt. Die Werke, die ihr eigentlich am Herzen lagen, wurden in den 1970er Jahren kaum gespielt. Erkannte sie sich wieder in der Kreide, die davon träumt, prächtige Schlösser zu malen, doch an trivialen Aufgaben wie dem täglichen Tafelanschrieb für Schulkinder unaufhaltsam schrumpft? Von der Diskrepanz großer Visionen und beschränkter Möglichkeiten ließ sich Gubaidulina nie entmutigen. In jeder Kreide kann die Weltformel oder das größte Kunstwerk aller Zeiten stecken. Ihr Märchenpoem verzaubert Konzertsäle weltweit mit magischen Orchesterfarben, betörenden Linien einzelner Instrumente, unwirklichen Trillern, schwebenden Klängen des Vibraphons und geheimnisvoll raunendem Pianissimo.

KLEIN UND GEMEIN

Ein Prachtschloss in Gestalt einer heroischen Sinfonie erhoffte man von Schostakowitsch nach Kriegsende, zumal Tonart Es-Dur und Zahl Nr. 9 seit Beethoven Großes erwarten lassen und Schostakowitsch die Beteiligung von Chor und Solisten ankündigte. Doch was am 3. November 1945 aus dem St. Petersburger Orchester tönte, glich der Kreidekritzelei eines Lausbuben. Klassizistisch, kurz, grotesk, klein besetzt und zu Scherzen aufgelegt, die der Widmung an »unseren großen Sieg« spotten. Heute zählt die Neunte zu Schostakowitschs beliebtesten Werken. Doch damals traf seine Prognose ein: Die Musiker werden sie mit Vergnügen spielen, aber die Kritiker werden sie vernichten.

DER SCHWARZE RIESE

Das Klavier hält mit Rachmaninoffs berühmtem Leitgedanken nicht lange hinterm Berg. Während die tiefen Streicher ihn übernehmen, zerfließt der Solopart in Figurationen, die hochemotional und virtuos aufbrausen. Melancholische Melodik, schwelgerische Harmonik und atemberaubende Pianistik entfalten den Ausdrucksreichtum der Musik, die aus den Tasten gestreichelt, gesungen, feinfingrig eingefangen, mit starker Hand gebändigt, volltönend in den Saal geschleudert und vor allem: leidenschaftlich geliebt werden will.