Erste wissenschaftlich fundierte Studie in Deutschland über ökonomische Auswirkungen eines Konzerthaus-Betriebs

Am 15. Oktober 2015 wurde von der HHL Leipzig Graduate School of Management die erste wissenschaftlich fundierte Studie zu den wirtschaftlichen Effekten für ein Konzerthaus in Deutschland vorgestellt. Untersucht wurden die ökonomischen Auswirkungen, die aus dem Betrieb des Gewandhauses für die Stadt Leipzig entstehen. Ergebnis ist ein Multiplikator, der das Verhältnis der ökonomischen Effekte und der öffentlichen Zuschüsse beschreibt.

Erstmals wurde für das Gewandhaus - und überhaupt für ein einzelnes Konzerthaus in Deutschland - eine detaillierte und wissenschaftlich fundierte Studie vorgelegt, die die ökonomischen Auswirkungen des Geschäftsbetriebes feststellt und diese in Relation setzt zu den öffentlichen Zuschüssen.

Für das namhafte Leipziger Konzerthaus wurde der Multiplikator 2,5 ermittelt, d.h. dass für jeden Euro Zuschuss an das Gewandhaus eine zusätzliche regionale Wertschöpfung und Steuerrückflüsse in Höhe von 2,50 Euro generiert werden.

„Kultur definiert sich nicht allein über einen Return of Invest, sondern zu allererst über ihren künstlerischen Wert, ihre Bedeutung in ihrem Beitrag zur Bildung, zur Identitätsfindung, zur Förderung kreativer Potentiale und Erhaltung von Traditionen. Aber die Wertschöpfung, die durch die Tätigkeit von kulturellen Institutionen in einer Region entsteht, muss man auch nicht verstecken. Kultur trägt maßgeblich zu einer hohen Lebens- und Freizeitqualität bei und lockt damit Investoren, Neubürger und Touristen in die Stadt. Unser Anspruch war es, dazu eine Studie auf methodisch-wissenschaftlich höchstem Niveau zu realisieren. Wir können nun mit Freude feststellen, dass jeder von der Stadt ins Gewandhaus investierte Euro mit dem 2,5-fachen Wert in die Stadt zurück fließt. Dieses Ergebnis ist ein wichtiges unterstützendes Argument bei Diskussionen um Kulturförderung. Es zeigt, dass das Gewandhaus nicht nur "kostet", sondern auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor ist“, sagt Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz

Die Untersuchung bediente sich zur Beschreibung der wirtschaftlichen Effekte der Analyse der Umwegrentabilität. Es handelt sich hierbei um eine Analyse, die quantitative Effekte (z.B. Ausgaben von Besuchern für Übernachtung) misst.

Studienleiter Prof. Dr. Wilhelm Althammer, Inhaber des Sparkassen-Finanzgruppe-Lehrstuhls für Makroökonomie an der HHL, verweist besonders auf die sehr hohe Zahl befragter Gewandhausbesucher sowie die detailliert ermittelten direkten Effekte. Gemeint sind hier lokale Ausgaben der Besucher, wie beispielsweise Hotelübernachtungen (jährlich 6,5 Mio. Euro) oder Restaurantbesuche (jährlich 3,8 Mio. Euro).

Insgesamt haben die 340.000 Besucher von 612 Veranstaltungen in der Spielzeit 2011/12 im touristischen Sektor zusätzlich zum Gewandhausbesuch 18.990.020 Euro in Leipzig ausgegeben (Gastronomie, Hotellerie, Transport, etc.), das Gewandhaus selbst hat nahezu 600 Hotelübernachtungen für seine Künstler gebucht, es hatte für Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe sowie andere bezogene Leistungen  Ausgaben in Höhe von 3.571.440 Euro, etc.

Für die wirtschaftlichen Effekte werden die direkten und indirekten positiven ökonomischen Wirkungen in Beziehung gesetzt zu den öffentlichen Ausgaben für ein bestimmtes Projekt, weshalb letztendlich die gesamte Wertschöpfung, die durch das Gewandhaus in der Region ausgelöst wurde, weit größer sein kann als der ursprüngliche Einsatz an staatlichen Mitteln. Dieses Verhältnis spiegelt sich für das Gewandhaus in dem Gesamtmultiplikator von 2,5 wieder.

Die komplette Studie finden Sie hier zum Download.

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Die HHL Leipzig Graduate School of Management ist eine universitäre Einrichtung und zählt zu den führenden internationalen Business Schools. Ziel der traditionsreichsten betriebswirtschaftlichen Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die Ausbildung leistungsfähiger, verantwortungsbewusster und unternehmerisch denkender Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. Die HHL ist akkreditiert durch AACSB International.

Das Gewandhaus bildet gemeinsam mit dem Gewandhausorchester eine institutionelle Einheit. Das 1743 von Kaufleuten gegründete Orchester hat wie kaum ein anderes nachhaltig zur Bildung eines noch heute gültigen sinfonischen Werkekanons beigetragen. Das Orchester spielt nahezu 200 Aufführungen an drei Spielstätten. Es bildet das Zentrum des Gewandhaus-Spielplans, es ist das Opernorchester der Stadt Leipzig und es bestreitet die wöchentlichen Kantatenaufführungen mit dem Thomanerchor in der Thomaskirche und es gibt pro Saison im Schnitt 25 Konzerte auf Tourneen weltweit. Der Spielplan des Gewandhauses umfasst sinfonische, Chor-, Orgel, Kammer- und zeitgenössische Musik sowie ein umfassendes musikpädagogisches Angebot. In Verwaltung und Technik des Gewandhauses sind 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

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