Boston-Woche

Mit dem Amtsantritt von Andris Nelsons, ab der Spielzeit 2017/18 Gewandhauskapellmeister und seit 2014 Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra (BSO), beginnt auch eine einmalige Partnerschaft zwischen diesen beiden Weltklasseorchestern. Ein Blick auf die Geschichte der beiden Klangkörper zeigt, dass die Verbindung tiefreichende Wurzeln hat: Bevor das BSO 1881 sein erstes Konzert spielte, schaute sich sein Gründer Henry Lee Higginson einiges beim bereits 1743 gegründeten Gewandhausorchester ab. So engagierte er Musiker und Dirigenten aus dem Gewandhausorchester und der Leipziger Hochschule und lies sich durch das damalige zweite Gewandhaus für den Bau der Boston Symphony Hall inspirieren. Auch holte er den legendaren Arthur Nikisch von der Leipziger Oper als Chefdirigent und damit direkten Vorgänger von Andris Nelsons nach Boston – nur, um ihn später als Gewandhauskapellmeister wiederum an Leipzig zu verlieren.

In den Spielplänen der kommenden Jahre wird die Partnerschaft des Gewandhausorchesters und des BSO zahlreiche Akzente setzen: So sind nicht nur Gastspiele der Orchester in der jeweils anderen Stadt und gemeinsame Kompositionsauftrage geplant, sondern auch Kammermusikprojekte, in denen Orchestermitglieder aus Leipzig und Boston miteinander musizieren. Darüber hinaus wird es in jeder Saison eine sogenannte »Boston-Woche« mit Andris Nelsons und dem Gewandhausorchester in Leipzig geben, in deren Rahmen Konzerte, aber auch Gesprächsrunden und Vorträge unser Partnerorchester in den Fokus rücken. In Boston findet komplementär dazu eine »Leipzig-Woche« statt, die dem amerikanischen Publikum unser Orchester, sein Repertoire und seine Geschichte näherbringen wird.

Für die erste Boston-Woche im Juni 2018 hat Andris Nelsons ein Konzertprogramm zusammengestellt, das durch sein charakteristisches BSO-Repertoire viel über das Orchester verrät. Dem ergänzend zur Seite steht ein gemeinsam gestalteter Kammermusik-Abend der Boston Symphony Chamber Players und des Gewandhaus-Quartetts; außerdem zwei Abende mit Musik, Lesung, Gesprächen und Film, in denen der langjährige Direktor des Bach-Archivs Leipzig und Professor an der Harvard University Boston, Prof. Christoph Wolff, mit verschiedenen Partnern Kapitel aus der Geschichte des BSO und seine Verbindungen nach Leipzig erkunden wird.