Mendelssohn im Bachfest

Im 19. Jahrhundert war Felix Mendelssohn Bartholdy die zentrale Figur einer Bach-Renaissance, die die Werke des ehemaligen Thomaskantors in das Bewusstsein einer breiten musikalischen Öffentlichkeit zurückholte. Bereits als 20-Jähriger leitete Mendelssohn in Berlin eine epochale Wiederaufführung der »Matthäus-Passion«. Als Gewandhauskapellmeister setzte er später immer wieder Werke Bachs aufs Programm – er führte »Historische Konzerte« im Gewandhaus ein, setzte den Bau eines Bach-Denkmals durch und betätigte sich als Herausgeber von Bachs Orgelwerken. Auch in Mendelssohns eigenen Kompositionen spiegelt sich dieser Einfluss in vielfältiger Weise wider.

Dieser großen Bedeutung Mendelssohns für die Bach-Rezeption trägt das Gewandhausorchester Rechnung, indem es neben der Musik des Thomaskantors auch der des ehemaligen Gewandhauskapellmeisters einen Schwerpunkt im Bachfest widmet.

Im Jahr 2019 leitet Ehrendirigent Herbert Blomstedt zwei Große Concerte innerhalb des Festivals, die aufgrund der Sanierung des Gewandhaus-Podiums im Jugendstil-Ambiente der Kongresshalle am Zoo stattfinden. Das Orchester kehrt damit an den Ort zurück, wo es nach der Zerstörung des Zweiten Gewandhauses bis zur Eröffnung des Neubaus über Jahrzehnte hinweg seine Konzerte spielte. In einem Gastkonzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen stellt Omer Meir Wellber in der Thomaskirche die beiden unvollendet gebliebenen »Opera ultima« Bachs und Mendelssohns gegenüber: Neben Auszügen aus der »Kunst der Fuge« in neuen Bearbeitungen erklingt das Oratorienfragment »Christus«, mit dem Mendelssohn sein Oratorienschaffen nach »Paulus« und »Elias« zu einer Trilogie abzurunden gedachte. Ergänzt wird das Programm durch Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms, die im Gewandhaus zur Uraufführung gelangte. Auch ein Kammer- und ein Orgelkonzert sind Bestandteil des Schwerpunktes. Im Mendelssohn-Saal weiten Gewandhausmusiker die Perspektive auf Werke der Bach-Kenner und -Enthusiasten Brahms und Schumann; und in der Thomaskirche rekonstruiert Gewandhausorganist Michael Schönheit das Programm jenes Benefizkonzertes, mit dem Mendelssohn 1840 dort für die Errichtung des Bach-Denkmals warb.