Do


Großer Saal

Gewandhausorchester, Franz Welser-Möst

Emmanuel Tjeknavorian Violine

Johannes Brahms — Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77

Pause

Alexander Skrjabin — 2. Sinfonie c-Moll op. 29


VIOLINKONZERT VOM WÖRTHERSEE

Bald tauschen wir wieder E-Mail-Fluten gegen Meeresbrandung und Schreibtischberge gegen Hochgebirge. Uns begleiten musikalische Urlaubsgrüße: Alexander Skrjabins 2. Sinfonie und Johannes Brahms’ Violinkonzert entstanden im Sommerurlaub – letzteres im bewahrten Rückzugsort Portschach, wo die Melodien fliegen, dass man sich hüten muss, keine zu treten. Den Mittelsatz, der zwischen den virtuosen Rahmensätzen ruht wie ein Gebirgssee umgeben von schroffen Gipfeln, eröffnet die Oboe mit dem Zitat der Brahms’schen Heine-Vertonung ≫Dämmernd liegt der Sommerabend über Wald und grünen Wiesen≪. Dass Brahms diese angeblich einzige Melodie gerade nicht der Solo-Violine schenkt, ärgerte Pablo de Sarasate, der wie viele bedeutende Geiger die Spielbarkeit des Werks in Frage stellte. Brahms’ lebenslanger Freund Joseph Joachim hatte bei der Uraufführung im Gewandhaus-Neujahrskonzert 1879 unter Leitung des Komponisten mit dem »Konzert gegen die Violine≪ merklich zu kämpfen.

SINFONIE AUS DEN SEMESTERFERIEN

Von 1898 bis 1903 hatte Skrjabin eine Professur für Klavier am Moskauer Konservatorium inne. Die Semesterferien des Jahres 1901 nutzte er zur Komposition der 2. Sinfonie. Wie all seine Musik polarisierte auch dieses Werk. Die einen hielten die Partitur für eine neue Bibel, die anderen für verteufelten Unfug, Beifalls- und Unmutsäußerungen schaukelten sich hoch zu tumultartigem Aufruhr. Skrjabins Wagner-Begeisterung ist der fünfsätzigen Sinfonie anzumerken. Singende Melodien, schwelgerisch-romantische Klänge und wehmütig-dunkle Farben prägen die Musik, bis das Finale mit leuchtender Klangpracht aus dem aufgewühlten Unwetter-Scherzo hervorbricht. Es lässt ebenso wie die von Vogelrufen erfüllte, impressionistisch flimmernde Natur- Idylle im Mittelsatz an Beethovens Pastorale denken.

HIMMELWÄRTS

Die Pariser Uraufführung der 3. Sinfonie unter Gewandhauskapellmeister Arthur Nikisch befeuerte wenig später Skrjabins Karriere und verschaffte ihm internationale Bekanntheit. Skrjabin war zwar in Leipzig als Pianist aufgetreten und Furtwängler hatte 1922 sein Poème de l’extase im Gewandhaus dirigiert. Doch die Zweite erlebt jetzt erst ihre Gewandhaus- Premiere. Das Werk macht deutlich, wie tief Skrjabin in der Romantik verwurzelt war, bevor er zunehmend dem Exaltierten und Orgiastischen huldigte. Der an Weihnachten geborene Künstler sah sich berufen, durch ein übergroßes, alle Sinne ansprechendes Kunstwerk die Menschheit in kollektive Ekstase und damit auf eine höhere Bewusstseinsstufe zu versetzen. Er strebte, von theosophischen Ideen beeinflusst, nach der Welterlösung durch seine Musik. Leider kam es vorerst nicht dazu. Skrjabin starb an Ostern 1915 im Alter von 43 Jahren, als die Welt gerade in zwei Kriege infernalischen Ausmaßes torkelte.


Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 19.15 Uhr - Schumann-Eck


Preise: 73/55/45/34/22/6 EUR
Flexpreise: 80/61/50/37/24/7 EUR
Donnerstag Ermäßigung für Berechtigte
Abos: Serie II, VARIO, VIS-A-VIS


Präsentiert von Sparkasse Leipzig


Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig