Do

11. Nov 2021

10 Uhr
Mendelssohn-Foyer

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10–18 Uhr, Samstag, 10-14 Uhr, an Konzerttagen durchgängig bis 20 Uhr Eintritt frei

Musikmäzenin, Konzertmanagerin, Salonière und Briefautorin – so in etwa könnte man das Profil Emmy Rubensohns beschreiben. Von ihrem Leben, das sie von Leipzig über Kassel nach Berlin, Shanghai und…

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Ausstellung "Vorhang auf für Emmy Rubensohn (1884–1961): Musikmäzenin aus Leipzig"

Die Großen Concerte am 16./17. Dezember 2021 schließen das Emmy-Rubensohn-Projekt ab. Sie finden im Rahmen des Jubiläums "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland" statt.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10–18 Uhr, Samstag, 10-14 Uhr, an Konzerttagen durchgängig bis 20 Uhr Eintritt frei

Gefördert durch #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e.V. aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI), durch das Ernst Krenek Institut Krems, die Reinwald GmbH Leipzig und die Universität Siegen.

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

Musikmäzenin, Konzertmanagerin, Salonière und Briefautorin – so in etwa könnte man das Profil Emmy Rubensohns beschreiben. Von ihrem Leben, das sie von Leipzig über Kassel nach Berlin, Shanghai und New York führte, erzählt eine Ausstellung, die zwischen dem 10. November und dem 16. Dezember 2021 im Mendelssohn-Foyer des Gewandhaus zu sehen ist – an einem Ort, der sich mit Emmy Rubensohn in besonderer Weise verbindet. Einerseits kam sie 1884 in Leipzig zur Welt, als Tochter der jüdischen Unternehmerfamilie Frank, die ebendort eine Textilfabrik besaß. Andererseits war sie schon als junges Mädchen eine passionierte Konzertgängerin, die sich besonders von den Gewandhauskonzerten angezogen fühlte. Jedenfalls sammelte sie hier eifrig Autogramme von bewunderten Künstlern und Künstlerinnen, ob sie Carl Reinecke, Arthur Nikisch, Felix Weingartner, Nellie Melba oder Lilli Lehmann hießen.

1907 heiratete sie Ernst Rubensohn, den wohlhabenden Direktor einer Jutespinnerei, und zog zu ihm nach Kassel. In der nordhessischen Residenzstadt verstand das Paar durch seine weltoffene und gastfreundschaftliche Art, aus ihrem Haus eine kulturelle Begegnungsstätte zu machen. Hier stellte sich Wilhelm Furtwängler ebenso ein wie der Komponist Walter Braunfels oder die Maler Oskar Kokoschka und Erich Heckel. 1925 luden die Rubensohns den österreichischen Komponisten Ernst Krenek ein, der eine Stelle am Kasseler Theater angenommen hatte, bei sich unentgeltlich zu wohnen. Der bedankte sich mit einem besonderen Geschenk, der Oper Jonny spielt auf, die er noch unter dem Dach seiner Gastgeber vollendete. Sie brachte Emmy Rubensohn wieder nach Leipzig zurück. Denn das Werk ihres Schützlings gelangte hier 1927 zur Uraufführung (mit dem Gewandhausorchester unter Gustav Brecher) – ein Welterfolg, wie sich über Nacht herausstellte, der sich nicht zuletzt dem Mäzenatentum der Rubensohns verdankt.

Das Jahr des Schreckens kam: 1933. In der Folge waren auch die Rubensohns übelsten Schikanen ausgesetzt.Als über jüdische Künstler de facto ein Berufsverbot verhängt wurde, sprang Emmy in die Bresche und gründete den Jüdischen Kulturbund Kassel, für den sie Dutzende Konzerte mit bedeutenden Musikern organisierte, etwa mit dem Dirigenten Joseph Rosenstock und der Pianistin Grete Sultan, denen sie später in New York wiederbegegnen sollte. Doch erst nach den Pogromen des Jahres 1938 entschloss sich das Paar auszuwandern. Es übersiedelte nach Berlin, um 1940, quasi im letzten Moment, die Flucht nach Shanghai zu wagen. Sieben Jahre standen Emmy und Ernst Rubensohn dort bevor, eine entbehrungsreiche Zeit, die ihnen aber nicht den Blick für die chinesische Kultur verstellte, wie ihren zahlreichen Briefen zu entnehmen ist. Erst 1947 erreichten die beiden ihr Wunschziel, die USA und New York. Nach dem Tod von Ernst (1951) gelang es Emmy hier, sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen, dem der Geiger Roman Totenberg ebenso angehörte wie der Dirigent Dimitri Mitropoulos oder Alma Mahler-Werfel, mit der sie eine innige Freundschaft pflegte.

Den roten Faden der Ausstellung bildet das Erinnerungs- und Gästebuch von Emmy Rubensohn, das sie durch alle Hochs wie Tiefs und sämtliche Lebensstationen begleitet. Gezeigt werden in erster Linie Text-Bild-Tafeln, ergänzt von einigen Objekten. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch. Zu den ergänzenden Veranstaltungen zählt u. a. eine Tagung, die sich dem Thema »Ernst Krenek und Leipzig« widmet (10. und 11. November 2021, Mendelssohn-Saal).

Das Projekt ist wichtiger Teil des Festjahres »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« und wird von Prof. Dr. Matthias Henke (Universität Siegen) und Rachel Stern (Fritz Ascher Society for Persecuted, Ostracized and Banned Art in New York) kuratiert und organisiert – gefördert durch #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e. V. aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI), durch das Ernst Krenek Institut Krems, die Reinwald GmbH Leipzig und die Universität Siegen.

In Kooperation mit dem Ernst Krenek Institut Krems, der Ephraim Carlebach Stiftung, der Jüdischen Gemeinde Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig.

Die Ausstellung wird beendet mit den Großen Concerten am 16./17. Dezember 2021.