Do

26. Jan 2023

20 Uhr
Großer Saal

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Werke von Ludwig van Beethoven , Leonard Bernstein , Richard Wagner

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WEISSAGUNG – RAUSCH – KLAGE Leonard Bernsteins Prophet Jeremia spricht mit der ehrfurchteinflößenden Stimme der Hörner. Er klagt mit Oboen und Fagotten, träumt mit der Klarinette, mahnt mit der…

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WEISSAGUNG – RAUSCH – KLAGE

Leonard Bernsteins Prophet Jeremia spricht mit der ehrfurchteinflößenden Stimme der Hörner. Er klagt mit Oboen und Fagotten, träumt mit der Klarinette, mahnt mit der Posaune, stimmt Blechbläserchoräle an und gründet seine Autorität auf einprägsame hebräische Themen und Synagogalgesänge. Der 2. Satz »entweiht« die Musik zu lustvollen Tanz-Exzessen. Quirlig-vitale Rhythmen, bunte Instrumentierung, Ausgelassenheit, die sich um Konventionen und gepflegten Konzertsaal-Ton nicht schert – kurz: alles, wofür wir Bernstein lieben, versammelt dieses Scherzo. Doch die Hörner lassen erneut den Prophetenruf erschallen. Das rauschhafte Chaos stürzt in sich zusammen. Zurück bleibt eine Frauenstimme, die in hebräischer Sprache zu spärlicher Holzbläserbegleitung und intensiver Orchesteranteilnahme aus den Klageliedern Jeremias singt. Bernstein gelingt eine der großen Mezzosopran-Elegien der Musikgeschichte, die neben den letzten Momenten von Richard Wagners Isolde zu bestehen vermag.

GENIESTREICH – ERFOLG – TRAGIK

Kurz nach Studienabschluss entstandene Skizzen legte Bernstein zugunsten der Dirigentenkarriere zunächst beiseite und vollendete sie dann im Husarenritt, um das Werk bei einem Wettbewerb einzureichen. Einen Preis trug ihm Jeremiah nicht ein, aber – und das war viel mehr wert – gigantischen Publikumserfolg, zahlreiche Aufführungen, Rundfunkübertragungen und die Hochachtung des Widmungsträgers Serge Koussevitzky. Bernsteins frommer Vater und wohlmeinende Mentoren wollten den Komponisten zur Ergänzung eines erbaulichen Schlusssatzes bewegen. Er winkte ab. Später bekannte Bernstein, im Grunde habe er dieses Werk wieder und wieder geschrieben, in ständiger Auseinandersetzung mit den Katastrophen, Glaubenskrisen und -erneuerungen des Jahrhunderts, im Ringen mit seinem persönlichen Schicksal. Auch Beethovens Musik begleitete Bernstein auf seiner Komponisten-, Dirigenten- und Pianistenlaufbahn. Im 5. Klavierkonzert fand er den Hauptgedanken des ergreifenden Liebesduetts »Somewhere« der West Side Story.