Fr

30. Dez 2022

20 Uhr
Großer Saal

Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr Keine Ermäßigung im Rahmen der Gewandhausorchester Card

Ludwig van Beethoven — 9. Sinfonie d-Moll op. 125

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ODE STATT ÖDE Zwei Jahre warst Du nicht vernehmungsfähig, Tochter aus Elysium, hülltest Dich in Schweigen. Das Gesetz hatte zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Nicht einmal…

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Grosse Concerte

Gewandhausorchester, Andris Nelsons Dirigent

MDR-Rundfunkchor, GewandhausChor, GewandhausKinderchor, Christiane Karg Sopran, Wiebke Lehmkuhl Alt, Mauro Peter Tenor, Andrè Schuen Bass

Ludwig van Beethoven — 9. Sinfonie d-Moll op. 125

Preise: 140/105/85/75/65/50 EUR
Flexpreise: 154/116/94/83/72/55 EUR
Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr Keine Ermäßigung im Rahmen der Gewandhausorchester Card

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

ODE STATT ÖDE

Zwei Jahre warst Du nicht vernehmungsfähig, Tochter aus Elysium, hülltest Dich in Schweigen. Das Gesetz hatte zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Nicht einmal geimpft und getestet durften wir, Himmlische, Deine irdischen Heiligtümer betreten. Dein Götterfunkenflug produziert einfach zu viele Aerosolemissionen. Pass bloß auf, dass Dir »seid umschlungen, Millionen« oder »diesen Kuss der ganzen Welt« nicht als Aufruf zur Missachtung pandemischer Schutzverordnungen ausgelegt werden. Denn unser Horizont hat sich – im Angesicht des Übermächtigen und Unbeherrschbaren – verengt auf unser unmittelbares Umfeld. Oh Freunde, bitte endlich nicht mehr diese Töne!

DAS ENTFERNTERE DENKEN

Wir werden sie mit anderen Ohren hören. Die nächste Neunte wird nicht nur den Übertritt in ein neues Jahr markieren. Sie möchte uns in eine neue Zeit und eine neue Welt begleiten. Nehmen wir Schiller und Beethoven endlich beim Wort und beim Ton! Sie schreiben gegen jenen Zustand an, von dem Goethe, ein Jahr nach seiner Begegnung mit Beethoven erneut in Teplitz weilend, im Brief Friedrich Wilhelm Riemers las: wir alle würden das Unvermeidliche mit noch mehr Fassung und Ergebung hinnehmen, wenn uns für die Zukunft nur etwas Erfreuliches versprochen würde. Unterdeß die Gegenwart beschäftigt einen Jeden sosehr, daß er nicht einmal viel Raum behält an das Entferntere zu denken. Die Neunte tut genau dieses: Sie befreit aus Gegenwartssorgen und beschwört eine freudenvollere Zukunft.

MUT STATT GEMÜTLICHKEIT

Kein Mensch denkt jetzt mehr an Kunst und Wissenschaft, beobachtet uns Friedrich Wilhelm Riemer aus dem von Kriegen überschatteten Jahr 1813 weiter. Und so sieht und hört man auch nicht, wodurch das Gemüth wieder aufgerichtet würde. Hoffen wir, dass die Künste – allen voran die Klassiker – ihre Wirkung wieder frei entfalten, das Gemüt aufrichten, aber auch ungemütlich Veränderung anstoßen können. Und dass sie Wege zum friedvollen Miteinander weisen.