Grande Concerts

Fri

15. Jul 2022

20.30
Open-Air-Bühne im Rosental

Eintritt frei

Das Programm und weitere Mitwirkende werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Grosse Concerte

Herbert Blomstedt zum 95. Geburtstag

Klassik airleben

Gewandhausorchester, Herbert Blomstedt Dirigent

Das Programm und weitere Mitwirkende werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Eintritt frei

Präsentiert von Porsche // Co-Sponsoren: GP Günter Papenburg AG; LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH; Leipziger Volkszeitung; VNG AG

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

Sat

16. Jul 2022

20.30
Open-Air-Bühne im Rosental

Eintritt frei

Das Programm und weitere Mitwirkende werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Grosse Concerte

Herbert Blomstedt zum 95. Geburtstag

Klassik airleben

Gewandhausorchester, Herbert Blomstedt Dirigent

Das Programm und weitere Mitwirkende werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Eintritt frei

Präsentiert von Porsche // Co-Sponsoren: GP Günter Papenburg AG; LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH; Leipziger Volkszeitung; VNG AG

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

Fri

16. Sep 2022

20.00
Großer Saal

Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr

Musical works of Dmitri Schostakowitsch , Ludwig van Beethoven

back

UNAUFGERÄUMT So ungefähr stelle ich mir das enge Arbeitszimmer des 26-jährigen Schostakowitsch vor: Auf dem Klavier liegt aufgeschlagen Beethovens Appassionata – eingangs im Konzert für Klavier,…

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UNAUFGERÄUMT

So ungefähr stelle ich mir das enge Arbeitszimmer des 26-jährigen Schostakowitsch vor: Auf dem Klavier liegt aufgeschlagen Beethovens Appassionata – eingangs im Konzert für Klavier, Trompete und Streicher von der Pianistin zitiert. In einem Karton zerfledderter Haydn-Klaviersonaten hat sich Kätzchen Lady Macbeth häuslich eingerichtet; der Trompeter zerrt die Noten im Finale gegen den Widerstand des kratzbürstigen Tiers hervor, das sich jedoch von einer Streichereinheit besänftigen lässt. Der Komponist und Pianist hingegen ist gedanklich längst beim Stummfilm, den er abends begleiten wird. Sein Blick gleitet über die chaotisch gestapelten Bücher und Klassiker-Partituren, unter denen die Böden des wackligen Regals bedenklich ächzen. Man sollte mal wieder ausmisten, durchfährt es ihn. Gedankenverloren jongliert er mit drei Motiven – zwei fallen krachend zu Boden. Beinahe  kippt das Notenpult um, das einem schäbigen Frack als Kleiderständer dient. Die Trompete wirbelt mächtig Staub auf und träumt davon, ein Zirkusartist zu sein, während Lady Macbeth in akrobatischen Sprüngen über die Tastatur turnt. Kaleidoskopisch bunt wäre eine allzu vornehme Beschreibung für das heillose Chaos, die launische Willkür des nie um neue Überraschungen verlegenen Konzerts. Wer eine Ausrede fürs Aufräumen sucht, findet in dieser begeisternden Musik die ästhetische Maxime für kreative Ordnungsalternativen.

INNERER UND ÄUSSERER FRIEDE

Musik, die den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet ist, eröffnet unsere Spielzeit. Schostakowitschs 8. Streichquartett op. 110 – ein Vierteljahrhundert später in Gohrisch entstanden – ist ein nachdenkliches, in sich gekehrtes Werk, durchdrungen von Selbstzitaten und den Tonbuchstaben seines Namens D-Es-C-H. Sein Schüler, der Dirigent und Bratschist Rudolf Barschai, richtete das Quartett für Streichorchester ein und trug diese von Schostakowitsch legitimierte Version mit dem Moskauer Kammerorchester in die ganze Welt.

Sun

18. Sep 2022

11.00
Großer Saal

Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr

Musical works of Dmitri Schostakowitsch , Ludwig van Beethoven

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UNAUFGERÄUMT So ungefähr stelle ich mir das enge Arbeitszimmer des 26-jährigen Schostakowitsch vor: Auf dem Klavier liegt aufgeschlagen Beethovens Appassionata – eingangs im Konzert für Klavier,…

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UNAUFGERÄUMT

So ungefähr stelle ich mir das enge Arbeitszimmer des 26-jährigen Schostakowitsch vor: Auf dem Klavier liegt aufgeschlagen Beethovens Appassionata – eingangs im Konzert für Klavier, Trompete und Streicher von der Pianistin zitiert. In einem Karton zerfledderter Haydn-Klaviersonaten hat sich Kätzchen Lady Macbeth häuslich eingerichtet; der Trompeter zerrt die Noten im Finale gegen den Widerstand des kratzbürstigen Tiers hervor, das sich jedoch von einer Streichereinheit besänftigen lässt. Der Komponist und Pianist hingegen ist gedanklich längst beim Stummfilm, den er abends begleiten wird. Sein Blick gleitet über die chaotisch gestapelten Bücher und Klassiker-Partituren, unter denen die Böden des wackligen Regals bedenklich ächzen. Man sollte mal wieder ausmisten, durchfährt es ihn. Gedankenverloren jongliert er mit drei Motiven – zwei fallen krachend zu Boden. Beinahe  kippt das Notenpult um, das einem schäbigen Frack als Kleiderständer dient. Die Trompete wirbelt mächtig Staub auf und träumt davon, ein Zirkusartist zu sein, während Lady Macbeth in akrobatischen Sprüngen über die Tastatur turnt. Kaleidoskopisch bunt wäre eine allzu vornehme Beschreibung für das heillose Chaos, die launische Willkür des nie um neue Überraschungen verlegenen Konzerts. Wer eine Ausrede fürs Aufräumen sucht, findet in dieser begeisternden Musik die ästhetische Maxime für kreative Ordnungsalternativen.

INNERER UND ÄUSSERER FRIEDE

Musik, die den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet ist, eröffnet unsere Spielzeit. Schostakowitschs 8. Streichquartett op. 110 – ein Vierteljahrhundert später in Gohrisch entstanden – ist ein nachdenkliches, in sich gekehrtes Werk, durchdrungen von Selbstzitaten und den Tonbuchstaben seines Namens D-Es-C-H. Sein Schüler, der Dirigent und Bratschist Rudolf Barschai, richtete das Quartett für Streichorchester ein und trug diese von Schostakowitsch legitimierte Version mit dem Moskauer Kammerorchester in die ganze Welt.

Thu

22. Sep 2022

20.00
Großer Saal

Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr

Musical works of HK Gruber , Igor Strawinsky

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WALZER SCHÜTZT VOR WAHRHEIT NICHT Die Kurzgeschichten aus dem Wiener Wald des 2. Gewandhauskomponisten HK Gruber – sinfonisches Extrakt seiner Horváth-Oper – stecken seit 2020 im pandemischen…

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Grosse Concerte

Fokus: Boston-Woche

Gewandhausorchester, Cristian Măcelaru Dirigent

Musical works of HK Gruber , Igor Strawinsky

Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 19.15 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 73/55/45/34/22/6 EUR
Flexpreise: 80/61/50/37/24/7 EUR
Donnerstag Ermäßigung für Berechtigte
Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr
Abos: Serie I, VARIO

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

WALZER SCHÜTZT VOR WAHRHEIT NICHT

Die Kurzgeschichten aus dem Wiener Wald des 2. Gewandhauskomponisten HK Gruber – sinfonisches Extrakt seiner Horváth-Oper – stecken seit 2020 im pandemischen Uraufführungsstau fest. Die Luft wird schlechter, der Atem kürzer, der Schlaf unruhiger, der Wind kälter, die Miete höher, die Nachbarn lauter und die Nächte einsamer. So harmlos beginnt das Crescendo der Grausamkeiten. Alfred entreißt Marianne den Fängen des Fleischhauer-Gatten, zwingt sie zum Abtreibungsversuch und ver- bzw. entsorgt das gleichwohl geborene Kind bei der Großmutter in der Wachau. Der Kinderwagen wird in die frische Luft gestellt und eine Lungenentzündung löst das »Problem« des unehelichen Kindes. Es fließt kein Blut in dieser Oper, obwohl es immerfort um die (Blut-)Wurst geht, gemetzgert und geschlachtet wird und reichlich Wiener Blut wallt und hallt. Jeder trällert das Lied von der Wachau auf Zeilen von Erwin Weill, der nach Lagerhaft und Deportation 1941 ermordet wurde. Die Dissonanz zwischen idyllischer Landschafts- und Klang-Kulisse und abgrundtiefer Grausamkeit ist schwer zu ertragen. Nur eines bleibt uns erspart – das wäre zu zynisch: ein Ausklang in Harmonie.

VERSEHENTLICH MODERN

Dagegen ist Strawinsky Seelenbalsam. Als die Mäzenin Natalie Koussevitzky 1942 verstarb, weihte er die Ode ihrem Andenken. Das Boston Symphony Orchestra brachte sie 1943 unter Leitung des Witwers zur Uraufführung. Allerdings transponierte ein Trompeter falsch und spielte fortwährend in einer anderen Tonart. Die Kakophonie des eigentlich gefälligen Zehnminutenstücks muss ungeheuerlich gewesen sein – »Darmstadt-reif«, befand Strawinsky. Koussevitzky störte das in keiner Weise. Wir verzichten gleichwohl auf historisch gerechte Wiedergabe. Auch für die erste Einspielung der Konzertsuite aus dem Ballett Petruschka, deren Wiener-Walzer-Persiflagen und Straßenmusik-Kollagen den Kurzgeschichten in nichts nachstehen, engagierte sich Koussevitzky. Als er gefragt wurde, warum Strawinsky nie öffentlich seine Dankbarkeit bekundete, erklärte der legendäre BSO-Chef: Ich habe so viel für ihn getan, dass ihm die Worte fehlen.

Fri

23. Sep 2022

20.00
Großer Saal

Ticketverkauf ab 01.07.2022, für Gewandhausorchester-Card-Inhaber ab 15.06.2022 jeweils 10 Uhr

Musical works of HK Gruber , Igor Strawinsky

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WALZER SCHÜTZT VOR WAHRHEIT NICHT Die Kurzgeschichten aus dem Wiener Wald des 2. Gewandhauskomponisten HK Gruber – sinfonisches Extrakt seiner Horváth-Oper – stecken seit 2020 im pandemischen…

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WALZER SCHÜTZT VOR WAHRHEIT NICHT

Die Kurzgeschichten aus dem Wiener Wald des 2. Gewandhauskomponisten HK Gruber – sinfonisches Extrakt seiner Horváth-Oper – stecken seit 2020 im pandemischen Uraufführungsstau fest. Die Luft wird schlechter, der Atem kürzer, der Schlaf unruhiger, der Wind kälter, die Miete höher, die Nachbarn lauter und die Nächte einsamer. So harmlos beginnt das Crescendo der Grausamkeiten. Alfred entreißt Marianne den Fängen des Fleischhauer-Gatten, zwingt sie zum Abtreibungsversuch und ver- bzw. entsorgt das gleichwohl geborene Kind bei der Großmutter in der Wachau. Der Kinderwagen wird in die frische Luft gestellt und eine Lungenentzündung löst das »Problem« des unehelichen Kindes. Es fließt kein Blut in dieser Oper, obwohl es immerfort um die (Blut-)Wurst geht, gemetzgert und geschlachtet wird und reichlich Wiener Blut wallt und hallt. Jeder trällert das Lied von der Wachau auf Zeilen von Erwin Weill, der nach Lagerhaft und Deportation 1941 ermordet wurde. Die Dissonanz zwischen idyllischer Landschafts- und Klang-Kulisse und abgrundtiefer Grausamkeit ist schwer zu ertragen. Nur eines bleibt uns erspart – das wäre zu zynisch: ein Ausklang in Harmonie.

VERSEHENTLICH MODERN

Dagegen ist Strawinsky Seelenbalsam. Als die Mäzenin Natalie Koussevitzky 1942 verstarb, weihte er die Ode ihrem Andenken. Das Boston Symphony Orchestra brachte sie 1943 unter Leitung des Witwers zur Uraufführung. Allerdings transponierte ein Trompeter falsch und spielte fortwährend in einer anderen Tonart. Die Kakophonie des eigentlich gefälligen Zehnminutenstücks muss ungeheuerlich gewesen sein – »Darmstadt-reif«, befand Strawinsky. Koussevitzky störte das in keiner Weise. Wir verzichten gleichwohl auf historisch gerechte Wiedergabe. Auch für die erste Einspielung der Konzertsuite aus dem Ballett Petruschka, deren Wiener-Walzer-Persiflagen und Straßenmusik-Kollagen den Kurzgeschichten in nichts nachstehen, engagierte sich Koussevitzky. Als er gefragt wurde, warum Strawinsky nie öffentlich seine Dankbarkeit bekundete, erklärte der legendäre BSO-Chef: Ich habe so viel für ihn getan, dass ihm die Worte fehlen.