Die Spielzeit 2021/2022 - Das musikalische Herz Leipzigs schlägt wieder im Rhythmus der Musik

Die umfangreichen Themenschwerpunkte »40 Jahre Neues Gewandhaus« und »Arthur Nikisch zum 100. Todestag« bieten zahlreiche musikalische Neu- und Wiederentdeckungen. Sofia Gubaidulina trägt ein weiteres Jahr den Titel Gewandhauskomponistin, Ehrendirigent Herbert Blomstedt feiert seinen 95. Geburtstag bei »Klassik airleben« und das Boston Symphony Orchestra gibt Gastspiele im Gewandhaus. Das Musikvermittlungsprogramm wird mit neuen Formaten ausgebaut.

Nach Monaten des pandemiebedingten Lockdowns melden sich das Gewandhaus und seine Ensembles mit einem Spielplan zurück auf der Konzertbühne, der ungewöhnliche Programme bereithält und zahlreiche neue Formate anbietet, die den Blick rund ums Konzertgeschehen weiten. Außerdem wird das Stadtteilprojekt fortgesetzt, bei dem die Musikvermittlung des Gewandhauses mit Partnern der freien Szene im Leipziger Norden kooperiert.

Da aufgrund der andauernden Unwägbarkeiten in Folge der Corona-Pandemie immer mit Umplanungen gerechnet werden muss, erscheint kein Jahresheft, welches in bewährter Weise über die gesamte Saison informiert. Der Spielplan wird stattdessen in kürzeren Zeiträumen, zwei- bis dreimonatlich, veröffentlicht. Auch der Ticketverkauf erstreckt sich immer nur auf den jeweiligen Veröffentlichungszeitraum. Damit die Zuhörer rechtzeitig erfahren, was sich hinter den Programmen verbirgt, wird es deshalb nicht – wie bislang üblich – nur eine einzige Saisonpräsentation geben, sondern insgesamt fünf Konzert-Vorschauen.

Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons dirigiert in der kommenden Saison mit zwei Ausnahmen alle Großen Concerte der thematischen Schwerpunkte »40 Jahre Neues Gewandhaus«, »Arthur Nikisch zum 100. Todestag«, »Richard Strauss«, »Mendelssohn-Festtage« und »Gewandhauskomponistin Sofia Gubaidulina«.

Vor 40 Jahren, am 8. Oktober 1981, wurde das Neue Gewandhaus eröffnet. Das Konzerthaus hat aus ganz unterschiedlichen Gründen in Leipzig einen besonderen Stellenwert. Sei es wegen persönlicher Konzerterinnerungen der Zuhörer, als Schauplatz weltpolitischer Veränderungen oder als Heimstatt des Gewandhausorchesters.

Der Themenschwerpunkt zum Jubiläum des Gewandhauses widmet sich der Musik jener Zeit, holt vergessene Raritäten ostdeutscher Komponisten aus den Archiven, blickt aber ebenso auf jene Werke, die sie nach 1989 komponiert haben. Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons dirigiert zum Jahreswechsel das Programm des Eröffnungskonzertes des Neuen Gewandhauses aus dem Jahr 1981. Der musikalische Fokus wird ergänzt durch die Ausstellung »Büsten-Konferenz«, in der alle Personenbüsten des Gewandhauses – auch jene, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind – erstmals geschlossen in einem Raum zu sehen sind.

Arthur Nikisch, der am 23. Januar 1922 in Leipzig verstarb, gehört zu den einflussreichsten Dirigentenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er war viele Jahre Gewandhauskapellmeister und Erster Kapellmeister an der Leipziger Oper. Sein Wirken war durch die Repertoireauswahl sowie zahlreiche bedeutende Ur- und Erstaufführungen weltweit stilbildend und einflussreich (z.B. Bruckners 7. Sinfonie mit dem Gewandhausorchester sowie populäre Werke von Dvořák und Tschaikowski). Der Themen-Fokus bringt darüber hinaus selten zu hörende Werke der Romantik auf die Bühne, unter anderem auch aus seiner eigenen Feder.

Sofia Gubaidulina ist eine der führenden Komponistinnen der Gegenwart und trägt, zu Ehren ihres 90. Geburtstages am 24. Oktober 2021, auch in diesem Jahr den Titel »Gewandhauskomponistin«. Den Geburtstag selbst feiert das Gewandhaus mit dem Tag der offenen Tür, der ganz im Zeichen der Komponistin stehen wird. Drei wichtige Instrumentalkonzerte von Sofia Gubaidulina stehen im Großen Concert auf dem Spielplan sowie zahlreiche Werke für unterschiedliche Ensembles in anderen Konzertformaten.

In Kooperation mit dem Mendelssohn-Haus finden im Rahmen der Festivallandschaft »Musikstadt Leipzig« ab der Spielzeit 2021/2022 wieder regelmäßig um den Todestag des Komponisten im November die Mendelssohn-Festtage statt. Neben einem umfangreichen Rahmenprogramm stehen dabei am Gewandhaus vor allem die Oratorien des ehemaligen Gewandhauskapellmeisters im Mittelpunkt. Im November 2021 dirigiert Mendelssohns jüngster Nachfolger im Amt, Andris Nelsons, das Oratorium Elias.

Der April und Mai 2022 stehen im Zeichen von Richard Strauss. Das Gewandhausorchester interpretiert unter Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons unter anderem sinfonische Dichtungen sowie die Burleske für Klavier und Orchester (Yuja Wang Klavier). Die Strauss-Aufführungen sind Teil eines Gemeinschaftsprojektes des Gewandhausorchesters und des Boston Symphony Orchestra, das bei seinen Gastspielen in Leipzig (unter der Leitung seines Chefdirigenten Andris Nelsons) die Strauss-Werkschau vervollständigt. Beide Orchester gehen mit ihren jeweiligen Strauss-Programmen unter der Leitung von Andris Nelsons auf Europa-Tournee, außerdem erscheint beim Label Deutsche Grammophon eine CD-Box der beiden partnerschaftlich verbundenen Orchester, die sämtliche Orchesterwerke von Richard Strauss umfasst.

Das Neue Bachische Collegium Musicum etabliert die neue Reihe »Alte Musik« unter der Leitung von Reinhard Goebel.

Im Bereich Musikvermittlung verspricht der Late-Night-Talk »Perspektivwechsel« besondere Spannung. Im Anschluss an ausgewählte Große Concerte weiten wir den Blick auf Themen, die sich aus dem zuvor gehörten Konzert ergeben und den Wechselwirkungen zwischen Musik, anderen Erfahrungswelten und der Gesellschaft nachspüren: Der Lyriker und Theologe Christian Lehnert lädt beispielsweise zum Perspektivwechsel im Anschluss an das Oratorium Elias, mit Extrem-Alpinist Olaf Rieck sprechen wir nach Mahlers 7. Sinfonie über existentielle Erfahrungen, ferner sind in dieser Spielzeit die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen zum Thema »Nacht«, Museumsdirektor Stefan Weppelmann zu »Selbstportraits in Malerei und Musik« sowie Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke zu Gast.

Highlights der Saison 2021/2022