Spielplan des Gewandhauses

Fr

11. Okt 2024

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Ludwig van Beethoven , Antonín Dvořák

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WENN STREICHER STREICHEN Wollen Sie mir ein Violinkonzert schreiben? fragte der Verleger Simrock, und ergänzte, als ob von Dvořák Anderes zu erwarten sei: Recht originell, kantilenenreich und für…

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Grosse Concerte

Gewandhausorchester, Semyon Bychkov Dirigent

Josef Špaček Violine

Werke von Ludwig van Beethoven , Antonín Dvořák

Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 80/61/49/37/23/6 EUR
Flexpreise: 88/67/54/41/25/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: Serie I, VARIO

Präsentiert von

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

WENN STREICHER STREICHEN

Wollen Sie mir ein Violinkonzert schreiben? fragte der Verleger Simrock, und ergänzte, als ob von Dvořák Anderes zu erwarten sei: Recht originell, kantilenenreich und für gute Geiger? Der gute Geiger war Joseph Joachim. Dem war allerdings das Konzert nicht gut genug. Auch nachdem Dvořák seinen Revisionswünschen entsprochen hatte, war Joachim unzufrieden. Bevor der Druck mit Widmung an ihn erscheinen durfte, strich der Streicher mit Rotstift statt Bogen und spielte sein Konzert nur verstohlen im Berliner Konservatorium. Öffentlich verhalf Dvořáks Freund František Ondříček den originellen und kantilenenreichen Klängen am 14. Oktober 1883 in Prag zum Premierenerfolg, wo Josef Špaček als jüngster Konzertmeister der Tschechischen Philharmonie an der Seite von Semyon Bychkov wirkte, bevor er sich ganz der Solokarriere widmete.

WENN HERRSCHER UNBEHERRSCHT SIND

Heinrich Joseph Edler von Collin und Ludwig van Beethoven waren gute Freunde. Zum Erfolgsdrama Coriolan des Dichters komponierte Beethoven eine Ouvertüre – allerdings erst, nachdem dieses wieder vom Spielplan verschwunden war. Nur einmal gelangten Drama und Musik gemeinsam zur Aufführung. Das literaturbezogene Orchesterstück steht vielmehr an der Schwelle zum eigenständigen musikalischen Genre, das ebenso gut als Konzertouvertüre ohne Kopplung mit einer Theaterdarbietung klingen konnte. Die dunkle Tonart c-Moll teilt das Werk auf den stolz aufbrausenden römischen Feldherrn, dem 200 Jahre vor Collin bereits William Shakespeare ein literarisches Denkmal errichtet hatte, mit der 5. Sinfonie, der früh der Beiname »Schicksalssinfonie« zuflog. Doch während die Ouvertüre den tragischen Helden Coriolan mit schockierendem Pizzicato-Schluss in den Selbstmord geleitet, flutet das Finale die Sinfonie mit strahlendem C-Dur und verbreitet ähnlich visionären Glanz wie der befreiende Jubel am Ende der zeitnah entstandenen Oper Fidelio

Fr

11. Okt 2024

21.45 Uhr
Großer Saal

Ist es wirklich so berauschend, berauscht zu sein, Frau Baudson? Nicht erst in Berlioz’ sinfonischen »Episoden aus dem Leben eines Künstlers« geraten rauschbefeuert Realität und Fiktion,…

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Ist es wirklich so berauschend, berauscht zu sein, Frau Baudson?

Nicht erst in Berlioz’ sinfonischen »Episoden aus dem Leben eines Künstlers« geraten rauschbefeuert Realität und Fiktion, Autobiographik und Shakespeare-Stoff gefährlich durcheinander. Ähnliches ist bereits bei Beethoven zu beobachten, dessen Literatur-bezogene Ouvertüren und schicksalsschwangere Sinfonie den ursprünglichen Programmpunkt ersetzen. Sie stehen ihrerseits im Zeichen von Autofiktion und Projektion und lassen sich als Vorboten von Berlioz’ experimenteller Musikalisierung von Rausch und Traum begreifen. Wir fragen die Psychologie-Professorin und Literaturwissenschaftlerin Tanja Gabriele Baudson, in welcher Beziehung Drogen und Kreativität stehen. Kann Musik tatsächlich in rauschhafte Zustände versetzen, und was geschieht dabei mit uns? Stimulieren bewusstseinsverändernde Substanzen wirklich die Kreativität? Wie lassen sich die Projektionen, die im Umgang mit den Künsten fortwährend stattfinden, aus Sicht der Psychologie erklären? Ein zweiter Forschungsschwerpunkt von Tanja Gabriele Baudson gilt der Hochbegabung, über die Dvořáks Violinkonzert, interpretiert von dem fabelhaften jungen Geiger Josef Špaček, staunen und nachdenken lässt.