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Do
19.30 Uhr Großer Saal
Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.
Werke von Jean Sibelius, César Franck
FRAGEN ÜBER FRAGENCésar Franck beginnt mit einer Frage. Nicht mit irgendeiner Frage, sondern mit dem Prototyp aller musikalischen Fragen. Jener Frage, die Beethoven an den Beginn des Finalsatzes…
Grosse Concerte
Gewandhausorchester, Tugan Sokhiev Dirigent, Nikolaj Szeps-Znaider Violine
Jean Sibelius — Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47
Pause
César Franck — Sinfonie d-Moll
Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR Ermäßigung für Berechtigte Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026. Abos: VARIO, Serie IV
Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig
FRAGEN ÜBER FRAGENCésar Franck beginnt mit einer Frage. Nicht mit irgendeiner Frage, sondern mit dem Prototyp aller musikalischen Fragen. Jener Frage, die Beethoven an den Beginn des Finalsatzes seines letzten Streichquartetts stellt. Man hat diese instrumentale Frage textiert mit den Worten: Muss es sein? Es muss sein. Zwischen all den Sinfonien des 19. Jahrhunderts, die an Beethovens Eroica anknüpfen, dessen Fünfte fortschreiben oder sich auf die Neunte berufen, verblüfft Francks d-Moll-Sinfonie mit dem Verweis auf Beethovens späte Quartett- Experimente. Seinem Vorbild folgend durchmisst Franck uferlose harmonische Weiten und wagt im Mittelsatz ein kühnes Konstrukt: ein kantables Allegretto mit Harfen-begleitetem Englischhorn-Solo und ein leichtfüßig dahinhuschendes Scherzo in zwei Taktarten und Tempi erklingen zunächst nacheinander und dann: gleichzeitig! Von irritierten Reaktionen auf die Premiere im Februar 1889 ließ sich der Organist, Pianist und legendäre Lehrer César-Auguste-Jean-Guillaume-Hubert Franck nicht beirren: Ich habe viel gewagt; aber das nächste Mal werde ich noch mehr wagen. Leider gab es mit Blick auf Sinfonik kein nächstes Mal. Die einzige vollendete Sinfonie blieb sein letztes großes Orchesterwerk.IDEEN ÜBER IDEENDer berühmte Geiger und Brahms-Freund Joseph Joachim, der Dvořáks und Brahms’ Violinkonzert erst an- und dann beinahe umgestoßen hatte, adelte Sibelius’ Gattungsbeitrag mit dem Prädikat scheußlich und langweilig und riet seinen Schülern ausdrücklich davon ab, dieses Werk einzustudieren. Zumindest ein ehemaliger Student setzte sich wagemutig über die Weisung seines Professors und Quartett-Partners hinweg: Kárel Halír brachte die revidierte Endgestalt von Sibelius’ Violinkonzert am 19. Oktober 1905 in Berlin zur Uraufführung. Am Dirigentenpult stand kein Geringerer als Richard Strauss. Die Arbeit daran hatte geigerische Ambitionen in Sibelius wieder wachgerufen. Eine Ellbogen-Verletzung hatte seine Hoffnungen auf eine Profi-Laufbahn einst zunichte gemacht. Doch während der Komposition des Konzerts erging sich Sibelius tage- und nächtelang in freier Phantasie auf dem Instrument. Janne ist die ganze Zeit in Hochstimmung (und ich auch!), berichtet seine Frau Aino zur Entstehungszeit. Die Überfülle musikalischer Ideen macht ihn förmlich wirr im Kopf. Die Nächte hindurch wacht er, spielt wunderbar schön und kann sich von den verzaubernden Tönen nicht losreißen.Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann
Fr
Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann
VOM KONJUNKTIV BEHÜTETHoch droben im Nordosten Schottlands, wo keiner mehr mit menschlichen Lebenszeichen rechnet, lagern in der Bibliothek von Thunderthrole die unkomponierten Werke zu früh…
Mendelssohn-Festtage | Fokus: »Tacheles« – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026
Gewandhausorchester, Andris Nelsons Dirigent, Augustin Hadelich Violine
Felix Mendelssohn Bartholdy — 6. Sinfonie C-Dur MWV N 19 – 1. und 2. Satz, vervollständigt von Luukas Hiltunen (Deutsche Erstaufführung, Auftragswerk des Gewandhausorchesters)
Felix Mendelssohn Bartholdy — Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 MWV O 14
Robert Schumann — 4. Sinfonie d-Moll op. 120
Gewandhaus zu Leipzig in Kooperation mit dem Mendelssohn-Haus Leipzig
VOM KONJUNKTIV BEHÜTETHoch droben im Nordosten Schottlands, wo keiner mehr mit menschlichen Lebenszeichen rechnet, lagern in der Bibliothek von Thunderthrole die unkomponierten Werke zu früh verstorbener Komponisten. Sie füllen 96.969 Regalmeter auf drei Etagen des verwinkelten Granitgebäudes aus dem 14. Jahrhundert. Pergolesis Ubi erat Pater lagert hier, Mozarts La Vendetta di Cherubino, Mendelssohns Loreleis Abgrund, oder: Der Fluch der Nachtigall, Schuberts Sturmbeschwörung für Chor, Soli und Gespenster, Schumanns Situationen für stummen Sopran, Posaune, Pauke und Harfe sowie Chopins Grande Sonate Sableuse (Sandsonate). Einen kühlen Saal im Südflügel füllen Rockballaden des Club 27.DEM POTENZIALIS ENTRISSENUngewöhnliche Umstände führten dazu, dass ein Manuskript 545 Meilen südwärts in Oxfords Bodleian Library seine Heimstatt fand. Mendelssohns älteste Tochter Marie überließ der Bibliothek kryptische Partiturseiten eines ersten Sinfoniesatzes, samt 42 Skizzentakten eines zweiten. Über den Mendelssohn-Forscher R. Larry Todd wurde der finnische Komponist Luukas Hiltunen 2020 auf den Torso aufmerksam, rekonstruierte aus dem dürftigen Material in vierjähriger Arbeit die aufführbare Version einer halben Großen C-Dur- Sinfonie, entfernt erinnernd an Schuberts Pendant und die Ruy-Blas-Ouvertüre.ZUM IRREALIS ZURÜCKGEBRACHT1845 hatte Mendelssohn Freunden und Geschwistern erstmals von Entwürfen zu einer neuen Sinfonie berichtet, offenbar veranlasst von Erfolgen in Paris. Die Arbeit zog sich. Dirigier- und Konzertreisen, Leipzig und Berlin, Elias und Christus nahmen ihn in Beschlag, gesundheitliche Probleme bremsten ihn aus. Nach dem Tod seiner Schwester Fanny war an schöpferische Arbeit – zumal an einer strahlenden C-Dur-Sinfonie – kaum zu denken. Was wäre wohl noch gekommen, hätte nicht am 4. November 1847 der Tod Künftiges verhindert? Auf diese schmerzhafte Frage wissen auch die beiden Sätze einer Sechsten keine Antwort. Man suche sie hoch droben im Nordosten Schottlands.Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann
Werke von Modest Mussorgski, Peter Tschaikowski, Béla Bartók
SCHAUERMÄRCHEN MIT HAPPY ENDEuphorisch berichtet der 28-jährige Modest Mussorgski dem fünf Jahre jüngeren Freund Nikolai Rimski-Korsakow von der Vollendung seines ersten großen Orchesterwerks: Am 23.…
Gewandhausorchester, Ivan Repušić Dirigent, Alexander Malofeev Klavier
Modest Mussorgski — Eine Nacht auf dem kahlen Berge (Bearbeitung von Nikolai Rimski-Korsakow)
Peter Tschaikowski — 1. Konzert für Klavier und Orchester b-Moll op. 23
Béla Bartók — Konzert für Orchester Sz 116
SCHAUERMÄRCHEN MIT HAPPY ENDEuphorisch berichtet der 28-jährige Modest Mussorgski dem fünf Jahre jüngeren Freund Nikolai Rimski-Korsakow von der Vollendung seines ersten großen Orchesterwerks: Am 23. Juni [1867], dem Vorabend des Johannistages, wurde mit Gottes Hilfe die »Johannisnacht auf dem Kahlen Berge« beendet – ein musikalisches Bild folgenden Inhalts: 1. Versammlung der Hexen, ihr Klatsch und Tratsch, 2. Der Zug des Satans, 3. Heidnische Verherrlichung des Satans und 4. Hexensabbat. Die Partitur ist ohne Skizzen direkt ins Reine geschrieben und Mili Balakirew zugeeignet. Ausgerechnet der vorgesehene Widmungsträger, Mussorgskis Mentor, reagierte mit Ablehnung. Rimski-Korsakow hingegen wurde nach Mussorgskis frühem Tod zum Retter. Seine Bearbeitung verhalf der Tondichtung zum Durchbruch, griff jedoch tief in die Werksubstanz ein. Von Mussorgskis Wurf blieb weder Form noch Instrumentierung, weder Tonartenfolge noch Dramaturgie. Harmonische Härten wurden ausgebügelt, mit denen Mussorgski bewusst provoziert hatte: Dafür würde man mich aus dem Konservatorium jagen! Erhalten blieb, worauf Mussorgski besonders stolz gewesen war: feuriger Charakter ohne Längen.TASTENDONNER MIT SONNIGEN AUSSICHTENTschaikowskis 1. Klavierkonzert – heute eines der beliebtesten Klavierkonzerte überhaupt – traf ein ähnliches Schicksal. Nachdem es innerhalb weniger November- und Dezemberwochen des Jahres 1874 komponiert und in den Folgemonaten instrumentiert worden war, machte niederschmetternde Kritik von unerwarteter Seite die Freude des Komponisten über seinen Geniestreich zunichte. Wieder kam sie vom vorgesehenen Widmungsträger, hier dem Pianisten und Leiter des Moskauer Konservatoriums Nikolai Rubinstein. Der Solopart sei unspielbar, etliche Passagen abgedroschen und ungeschickt, die Musik insgesamt trivial. Tatsächlich beruhen viele der einprägsamen Themen auf Volksliedern und trugen letztlich zum Erfolg bei. Entscheidend war wiederum ein Retter: Tschaikowski erkor Hans von Bülow zum neuen Widmungsträger, der die Komposition im Zuge seiner unmittelbar bevorstehenden Amerika-Tournee in Boston – 70 Jahre später Premierenschauplatz von Bartóks Konzert für Orchester – zur Uraufführung brachte. Umjubelte Darbietungen in den USA und Europa folgten.Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann
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