Fokus: Gewandhauskomponist Arvo Pärt

Mit Arvo Pärt stellt das Gewandhaus eine weitere Spielzeit lang einen der einflussreichsten Komponisten unserer Zeit in den Mittelpunkt – und präsentiert dabei eine außergewöhnliche stilistische und expressive Bandbreite seines Schaffens. Vom experimentellen Frühwerk über sinfonische Verdichtung bis zur radikal reduzierten Klangsprache des »Tintinnabuli« entfaltet sich die Werkschau, die Pärts künstlerische Entwicklung erfahrbar macht.

Nach avantgardistischen Anfängen und einem jahrelangen Rückzug fand Pärt mit dem »Tintinnabuli«-Stils zu einer musikalischen Sprache von großer spiritueller Klarheit. Werke wie Für Alina, das im Klavierrezital intime Schlichtheit und glockenhafte Transparenz entfaltet, markieren diesen Wendepunkt ebenso eindrücklich wie die klangmächtige 3. Sinfonie, die in der kommenden Spielzeit erstmals im Großen Concert erklingt.

Daneben stehen spannungsgeladene Orchesterwerke wie These Words …, die biografisch geprägte Reflexion Orient & Occident sowie das Concerto Piccolo über B-A-C-H, Pärts musikalische Verneigung vor Johann Sebastian Bach. Einen besonderen Schwerpunkt bildet auch seine Chormusik: Werke wie An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten oder die Berliner Messe offenbaren eine reiche Farbigkeit und eine Klangarchitektur von konzentrierter Stille und innerer Leuchtkraft. Der zweijährige Fokus macht deutlich, wie vielgestaltig, konsequent und zeitlos Arvo Pärts Werk ist – und warum es bis heute eine so starke Wirkung entfaltet.

Spielplan

19.30 Uhr
Mendelssohn-Saal

Werke von Arvo Pärt, Franz Schubert, Johann Sebastian Bach, Alexander Skrjabin, Franz Liszt

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Georgijs Osokins wurde 1995 als jüngster Sohn einer Musikerfamilie in der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Als baltischer Pianist bringt er ein Programm mit, das von seiner Heimat geprägt ist und…

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Georgijs Osokins wurde 1995 als jüngster Sohn einer Musikerfamilie in der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Als baltischer Pianist bringt er ein Programm mit, das von seiner Heimat geprägt ist und wie ein inneres Gespräch klingt: Im Mittelpunkt steht Arvo Pärt, dessen vollständige Klavierwerke Osokins im vergangenen Jahr für die Deutsche Grammophon anlässlich des 90. Geburtstages des estnischen Komponisten eingespielt hat. Darunter sind eigene Klaviertranskription von »Fratres«, für die Pärt ihm persönlich die Genehmigung erteilte. Doch Osokins stellt Pärts schwebende, zeitlose Stille in ein faszinierendes Spannungsfeld: Skrjabins »Vers la Flamme« lodert wie ein Gegenbild, und Liszts »Après une lecture de Dante« stürzt hinab in Abgründe, aus denen es kaum Rückkehr zu geben scheint. Ein Abend über das Schweigen und das Brennen.

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Arvo Pärt, Wolfgang Amadeus Mozart, Peter Tschaikowski

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KLARE LINIEDas Fagott mischt mit – vom Barock bis zur Gegenwart. Es zeichnet Basslinien oder singt ohne jedes Helden-Gebaren im Tenor. Sein Ausdrucksspektrum reicht von ergreifender Melancholie bis…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie III

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

KLARE LINIE
Das Fagott mischt mit – vom Barock bis zur Gegenwart. Es zeichnet Basslinien oder singt ohne jedes Helden-Gebaren im Tenor. Sein Ausdrucksspektrum reicht von ergreifender Melancholie bis zum urkomischen Spaßvogelstaccato. Es tritt solistisch auf – Tschaikowski beschenkt es besonders reich –, zieht jedoch sinfonische oder kammermusikalische Einbettung virtuosen Alleingängen vor, wiewohl ihm allein Vivaldi über 30 Konzerte widmete. Mozarts Schüler Hummel, der bläserbeglückende Weber sowie Stamitz, Rosetti, Berwald, Ferdinand David und viele mehr trugen zum konzertanten Fagottrepertoire bei. Doch selbst das bekannteste dieser Werke, das Fagottkonzert des 18-jährigen Mozart, ist nur viermal mit dem Gewandhausorchester erklungen: gleich 1805, dann 1908 unter Nikisch mit Koussevitzky als Kontrabass-Solist, 1981 in der Kongresshalle dank Masurs Mozart- Zyklus und vor 20 Jahren ein erstes und letztes Mal im Neuen Gewandhaus.

LEBENSLINIE
Mozart-Bewunderer Tschaikowski war Intimfreund des Fagotts und legt dem Instrument auch in der 4. Sinfonie unwiderstehliche Liebesbeweise zu Füßen. Pate standen neben Mozart vornehmlich Mendelssohn und Schumann sowie Beethoven, dessen Schicksalssinfonie Tschaikowski als Vorbild seiner Vierten auswies. Er war so zufrieden mit dem Werk, dass er lange vor einer Fünften zurückschreckte – aus Sorge, nicht wieder dieses Niveau zu erreichen. Keine einzige Note fände sich in seiner 4. Sinfonie, die nicht tief empfunden und Widerhall innerster Regungen sei.

SCHLANKE LINIE
Pärts drittes Werk, das den Titel »Sinfonie« trägt, ist zugleich eines der ersten, mit denen er sein Schweigen brach und den neuen Stil erprobte. Weit gespannte Bläsermelodien, farblich fein abgemischt,ranken durch den 20-Minüter. Selbst wo das Orchester geschlossen auftritt, bestimmen Linien das Geschehen. Altes prägt zwar modellhaft Satzmuster und Klanglichkeit, doch das Tamtam wühlt den Wohlklang furchteinflößend auf, die Pauke poltert als Antipode der funkelnden Celesta, und im tiefen Blech rumort Strawinsky. Im zeitübergreifenden Zug sah Pärt die größte Errungenschaft seiner 3. Sinfonie, die am 21. September 1972 in Tallinn unter Widmungsträger Neeme Järvi erstmals erklang: Immer zahlreichere Zellen breiten sich aus, berühren und vereinen sich. Auch der harmonische Verlauf entwickelt sich aus kurzen Kadenzen. Daraus erwächst die polyphone Komplexität. Es war mir gelungen, eine Brücke zwischen einem Gestern, das mehrere Jahrhunderte alt ist, und dem Heute zu schlagen.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Arvo Pärt, Wolfgang Amadeus Mozart, Peter Tschaikowski

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KLARE LINIEDas Fagott mischt mit – vom Barock bis zur Gegenwart. Es zeichnet Basslinien oder singt ohne jedes Helden-Gebaren im Tenor. Sein Ausdrucksspektrum reicht von ergreifender Melancholie bis…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie III

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

KLARE LINIE
Das Fagott mischt mit – vom Barock bis zur Gegenwart. Es zeichnet Basslinien oder singt ohne jedes Helden-Gebaren im Tenor. Sein Ausdrucksspektrum reicht von ergreifender Melancholie bis zum urkomischen Spaßvogelstaccato. Es tritt solistisch auf – Tschaikowski beschenkt es besonders reich –, zieht jedoch sinfonische oder kammermusikalische Einbettung virtuosen Alleingängen vor, wiewohl ihm allein Vivaldi über 30 Konzerte widmete. Mozarts Schüler Hummel, der bläserbeglückende Weber sowie Stamitz, Rosetti, Berwald, Ferdinand David und viele mehr trugen zum konzertanten Fagottrepertoire bei. Doch selbst das bekannteste dieser Werke, das Fagottkonzert des 18-jährigen Mozart, ist nur viermal mit dem Gewandhausorchester erklungen: gleich 1805, dann 1908 unter Nikisch mit Koussevitzky als Kontrabass-Solist, 1981 in der Kongresshalle dank Masurs Mozart- Zyklus und vor 20 Jahren ein erstes und letztes Mal im Neuen Gewandhaus.

LEBENSLINIE
Mozart-Bewunderer Tschaikowski war Intimfreund des Fagotts und legt dem Instrument auch in der 4. Sinfonie unwiderstehliche Liebesbeweise zu Füßen. Pate standen neben Mozart vornehmlich Mendelssohn und Schumann sowie Beethoven, dessen Schicksalssinfonie Tschaikowski als Vorbild seiner Vierten auswies. Er war so zufrieden mit dem Werk, dass er lange vor einer Fünften zurückschreckte – aus Sorge, nicht wieder dieses Niveau zu erreichen. Keine einzige Note fände sich in seiner 4. Sinfonie, die nicht tief empfunden und Widerhall innerster Regungen sei.

SCHLANKE LINIE
Pärts drittes Werk, das den Titel »Sinfonie« trägt, ist zugleich eines der ersten, mit denen er sein Schweigen brach und den neuen Stil erprobte. Weit gespannte Bläsermelodien, farblich fein abgemischt,ranken durch den 20-Minüter. Selbst wo das Orchester geschlossen auftritt, bestimmen Linien das Geschehen. Altes prägt zwar modellhaft Satzmuster und Klanglichkeit, doch das Tamtam wühlt den Wohlklang furchteinflößend auf, die Pauke poltert als Antipode der funkelnden Celesta, und im tiefen Blech rumort Strawinsky. Im zeitübergreifenden Zug sah Pärt die größte Errungenschaft seiner 3. Sinfonie, die am 21. September 1972 in Tallinn unter Widmungsträger Neeme Järvi erstmals erklang: Immer zahlreichere Zellen breiten sich aus, berühren und vereinen sich. Auch der harmonische Verlauf entwickelt sich aus kurzen Kadenzen. Daraus erwächst die polyphone Komplexität. Es war mir gelungen, eine Brücke zwischen einem Gestern, das mehrere Jahrhunderte alt ist, und dem Heute zu schlagen.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Arvo Pärt, Philip Glass, Mieczysław Weinberg

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OST & WESTOrient & Occident entstand 2000 im Auftrag der Berliner Festspiele. Dort wurde es vom Litauischen Kammerorchester am 30. September unter Saulius Sondeckis aus der Taufe gehoben. Es ist…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie I

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Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

OST & WEST
Orient & Occident entstand 2000 im Auftrag der Berliner Festspiele. Dort wurde es vom Litauischen Kammerorchester am 30. September unter Saulius Sondeckis aus der Taufe gehoben. Es ist diesen ersten Interpreten gewidmet, mit denen der Komponist oft zusammenarbeitete. Die Erstaufführung in Estland bestritt am 21. Januar 2001 die Kremerata Baltica. Die Komposition nimmt Bezug auf das Nizänische Credo im Kirchenslawisch, das – oft unisono oder schlicht harmonisiert – instrumental deklamiert wird. Das Glaubensbekenntnis verbindet Ost- und Westkirche, und die Musik vermengt – so heißt es – orientalische und okzidentale Klanglichkeit.

VIOLINE & VIOLONCELLO
Um für Streicher schreiben zu können, hatte Glass während seines Studiums eigens Unterricht im Violinspiel bei einer Kommilitonin genommen. 2010 erhielt er den Auftrag des Niederländischen Tanztheaters, den er mit einem Doppelkonzert für Violine und Violoncello erfüllte, um dem »Pas de deux« der Haupttänzer zu entsprechen. Es besteht aus vier zeitlos-wohltönenden Duetten, die drei Orchester-Sätze einfassen. Am 22. April 2010 gelangte es zur Uraufführung. Das Residentie Orkest unter Jurjen Hempel musizierte mit Cecilia Bernardini und Maarte-Maria den Herder. Auch Gidon Kremer, der in dieser Konzertwoche seinen 80. Geburtstag feiert, reihte sich mehrfach unter die Interpreten.

KREMER & WEINBERG
Sowohl Gidon Kremer als auch Mirga Gražinytė-Tyla machten sich um die Wiederentdeckung des Schaffens von Mieczysław Weinberg verdient. Die 1. Sinfonie wurde zum biografischen Schlüsselstück für Weinberg und seinen weiteren Werdegang. Die Partitur gelangte aus Taschkent, wohin Weinberg aus Warschau über Minsk vor den Nationalsozialisten geflohen war, zu Dmitri Schostakowitsch nach Moskau, der sich fortan für den Kollegen einsetzte, engen künstlerischen Austausch pflegte und neue Werke gemeinsam mit ihm vierhändig am Klavier erprobte. Weinbergs traditioneller Viersätzigkeit folgende Sinfonie ist der Roten Armee gewidmet, die ihn vor Hitlers Truppen bewahrte.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Arvo Pärt, Philip Glass, Mieczysław Weinberg

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OST & WESTOrient & Occident entstand 2000 im Auftrag der Berliner Festspiele. Dort wurde es vom Litauischen Kammerorchester am 30. September unter Saulius Sondeckis aus der Taufe gehoben. Es ist…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Abos: VARIO, Serie I

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Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

OST & WEST
Orient & Occident entstand 2000 im Auftrag der Berliner Festspiele. Dort wurde es vom Litauischen Kammerorchester am 30. September unter Saulius Sondeckis aus der Taufe gehoben. Es ist diesen ersten Interpreten gewidmet, mit denen der Komponist oft zusammenarbeitete. Die Erstaufführung in Estland bestritt am 21. Januar 2001 die Kremerata Baltica. Die Komposition nimmt Bezug auf das Nizänische Credo im Kirchenslawisch, das – oft unisono oder schlicht harmonisiert – instrumental deklamiert wird. Das Glaubensbekenntnis verbindet Ost- und Westkirche, und die Musik vermengt – so heißt es – orientalische und okzidentale Klanglichkeit.

VIOLINE & VIOLONCELLO
Um für Streicher schreiben zu können, hatte Glass während seines Studiums eigens Unterricht im Violinspiel bei einer Kommilitonin genommen. 2010 erhielt er den Auftrag des Niederländischen Tanztheaters, den er mit einem Doppelkonzert für Violine und Violoncello erfüllte, um dem »Pas de deux« der Haupttänzer zu entsprechen. Es besteht aus vier zeitlos-wohltönenden Duetten, die drei Orchester-Sätze einfassen. Am 22. April 2010 gelangte es zur Uraufführung. Das Residentie Orkest unter Jurjen Hempel musizierte mit Cecilia Bernardini und Maarte-Maria den Herder. Auch Gidon Kremer, der in dieser Konzertwoche seinen 80. Geburtstag feiert, reihte sich mehrfach unter die Interpreten.

KREMER & WEINBERG
Sowohl Gidon Kremer als auch Mirga Gražinytė-Tyla machten sich um die Wiederentdeckung des Schaffens von Mieczysław Weinberg verdient. Die 1. Sinfonie wurde zum biografischen Schlüsselstück für Weinberg und seinen weiteren Werdegang. Die Partitur gelangte aus Taschkent, wohin Weinberg aus Warschau über Minsk vor den Nationalsozialisten geflohen war, zu Dmitri Schostakowitsch nach Moskau, der sich fortan für den Kollegen einsetzte, engen künstlerischen Austausch pflegte und neue Werke gemeinsam mit ihm vierhändig am Klavier erprobte. Weinbergs traditioneller Viersätzigkeit folgende Sinfonie ist der Roten Armee gewidmet, die ihn vor Hitlers Truppen bewahrte.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Arvo Pärt

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SONNTAGS BACHIch gehe alle Sonntage um 12 uhr zum Baron von Suiten – und da wird nichts gespiellt als Händl und Bach. ich mach mir eben eine Collection von den Bachischen fugen. Als Mozart mit Studien…

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SONNTAGS BACH
Ich gehe alle Sonntage um 12 uhr zum Baron von Suiten – und da wird nichts gespiellt als Händl und Bach. ich mach mir eben eine Collection von den Bachischen fugen. Als Mozart mit Studien beim Wiener Adel seinen Vater beschwichtigte, der den Sohn bei rauschenden Bällen wähnte, war Bach noch keine 32 Jahre unter der Erde. Leopold las gewiss mit Genugtuung, dass Wolfgang sich in bachbeflissenen Kreisen ernsthaft mit ernster, ja sehr ernster Musik befasste und sogar Geld damit verdiente. Vielleicht verdanken wir dem Bach-Nerd Gottfried van Swieten auch die Baron-Salongerechte Einrichtung der c-Moll-Fuge, welche ich schon lange für 2 klaviere geschrieben habe, samt Erweiterung um ein kurzes Adagio à 2 violini, viola, e Baßo. Dann reiste Mozart nach Leipzig und brachte seine jüngste Sinfonie zur Uraufführung, die zunächst nicht Jupiter, sondern mit der Schlussfuge hieß und auf ihre Weise im Bach gründelt. Der Gewandhaus-Auftritt bot wenig Anlass zur Freude; dafür entlockten Bach-singende Thomaner Mozart den Ausruf: Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen lässt!

TEMPORÄR TROMPETE
Für viel Trara sorgte hingegen der kaiserlich-königliche Hoftrompeter Hr. Weidinger aus Wien, als er 1802 in Leipzig das Konzert zum Besten gab, das Haydn 1796 für ihn und seine Klappentrompete komponiert hatte. Das Gewandhaus-Publikum staunte, dass Weidinger alle halben Töne, die im Umfang des Instruments liegen, beherrscht, und zwar so, dass er Läufer durch dieselben macht. Die chromatische Wendigkeit des sonst an Naturtöne gebundenen Instruments war teuer erkauft, indem dies Instrument dadurch pompösen Charakter verloren habe. In Mendelssohns feinem Ohr klang die verfluchte Klappentrompete wie ein Trompetencastrat, so matt und unnatürlich. Als mit der Ventiltrompete ein Instrument Verbreitung fand, das tatsächlich großen Tonvorrat und hohe Klangqualität vereinte, war das Schicksal der organisirten Trompete mit Klappen besiegelt. Sie klapperte noch einige Zeit in Militärkapellen und verschwand dann in den Fußnoten zum klassisch-virtuosen Konzertrepertoire, das wir Weidinger verdanken.

PERMANENT PÄRT
Als Pärt vor 33 Jahren mit seinem Latein am Ende war, kam er aufs Italienische zurück und gab seiner B-A-C-H-Collage den neuen Namen Concerto piccolo. Sonst musste er am 30 Jahre alten, 10-tönigen 10-Minüter nicht viel ändern, um 1994 den Auftrag Håkan Hardenbergers und Neeme Järvis für das Göteborger Sinfonieorchester zu erfüllen. Längst war die Trompete mit allen avantgardistischen und jazzidiomatischen Wassern gewaschen und trillert in Hardenbergers Händen mühelos anstelle der Oboe Bachs Sarabande aus Lentolahmen Zehntonclustern heraus. Während sich die Dreiklänge über B-A-C-H stapeln, verleiht sie dem Concerto als Stargast verkaufsfördernden Glamour und gedenkt ihrer Clarinblas-Höhenflüge zur Bachzeit.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

19.30 Uhr
Großer Saal

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Arvo Pärt

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SONNTAGS BACHIch gehe alle Sonntage um 12 uhr zum Baron von Suiten – und da wird nichts gespiellt als Händl und Bach. ich mach mir eben eine Collection von den Bachischen fugen. Als Mozart mit Studien…

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SONNTAGS BACH
Ich gehe alle Sonntage um 12 uhr zum Baron von Suiten – und da wird nichts gespiellt als Händl und Bach. ich mach mir eben eine Collection von den Bachischen fugen. Als Mozart mit Studien beim Wiener Adel seinen Vater beschwichtigte, der den Sohn bei rauschenden Bällen wähnte, war Bach noch keine 32 Jahre unter der Erde. Leopold las gewiss mit Genugtuung, dass Wolfgang sich in bachbeflissenen Kreisen ernsthaft mit ernster, ja sehr ernster Musik befasste und sogar Geld damit verdiente. Vielleicht verdanken wir dem Bach-Nerd Gottfried van Swieten auch die Baron-Salongerechte Einrichtung der c-Moll-Fuge, welche ich schon lange für 2 klaviere geschrieben habe, samt Erweiterung um ein kurzes Adagio à 2 violini, viola, e Baßo. Dann reiste Mozart nach Leipzig und brachte seine jüngste Sinfonie zur Uraufführung, die zunächst nicht Jupiter, sondern mit der Schlussfuge hieß und auf ihre Weise im Bach gründelt. Der Gewandhaus-Auftritt bot wenig Anlass zur Freude; dafür entlockten Bach-singende Thomaner Mozart den Ausruf: Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen lässt!

TEMPORÄR TROMPETE
Für viel Trara sorgte hingegen der kaiserlich-königliche Hoftrompeter Hr. Weidinger aus Wien, als er 1802 in Leipzig das Konzert zum Besten gab, das Haydn 1796 für ihn und seine Klappentrompete komponiert hatte. Das Gewandhaus-Publikum staunte, dass Weidinger alle halben Töne, die im Umfang des Instruments liegen, beherrscht, und zwar so, dass er Läufer durch dieselben macht. Die chromatische Wendigkeit des sonst an Naturtöne gebundenen Instruments war teuer erkauft, indem dies Instrument dadurch pompösen Charakter verloren habe. In Mendelssohns feinem Ohr klang die verfluchte Klappentrompete wie ein Trompetencastrat, so matt und unnatürlich. Als mit der Ventiltrompete ein Instrument Verbreitung fand, das tatsächlich großen Tonvorrat und hohe Klangqualität vereinte, war das Schicksal der organisirten Trompete mit Klappen besiegelt. Sie klapperte noch einige Zeit in Militärkapellen und verschwand dann in den Fußnoten zum klassisch-virtuosen Konzertrepertoire, das wir Weidinger verdanken.

PERMANENT PÄRT
Als Pärt vor 33 Jahren mit seinem Latein am Ende war, kam er aufs Italienische zurück und gab seiner B-A-C-H-Collage den neuen Namen Concerto piccolo. Sonst musste er am 30 Jahre alten, 10-tönigen 10-Minüter nicht viel ändern, um 1994 den Auftrag Håkan Hardenbergers und Neeme Järvis für das Göteborger Sinfonieorchester zu erfüllen. Längst war die Trompete mit allen avantgardistischen und jazzidiomatischen Wassern gewaschen und trillert in Hardenbergers Händen mühelos anstelle der Oboe Bachs Sarabande aus Lentolahmen Zehntonclustern heraus. Während sich die Dreiklänge über B-A-C-H stapeln, verleiht sie dem Concerto als Stargast verkaufsfördernden Glamour und gedenkt ihrer Clarinblas-Höhenflüge zur Bachzeit.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann