19.30 Uhr
Großer Saal

Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.

Werke von Richard Strauss, Sergej Prokofjew

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ORGANISCH STATT ORGIASTISCHMein Lebenswerk ist beendet, und die Noten, die ich als Handgelenksübungen jetzt noch für den Nachlaß zusammenschmiere, haben keinerlei musikgeschichtliche Bedeutung, sprach…

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Konzerteinführung mit Ann-Katrin Zimmermann um 18.45 Uhr - Schumann-Eck

Preise: 89/68/54/40/25/6 EUR
Flexpreise: 98/75/59/44/28/7 EUR
Ermäßigung für Berechtigte
Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.
Abos: VARIO, Serie IV

Präsentiert von

Veranstalter: Gewandhaus zu Leipzig

ORGANISCH STATT ORGIASTISCH
Mein Lebenswerk ist beendet, und die Noten, die ich als Handgelenksübungen jetzt noch für den Nachlaß zusammenschmiere, haben keinerlei musikgeschichtliche Bedeutung, sprach Strauss 79-jährig im Oktober 1943. Und schmierte in sechs verbleibenden Lebensjahren Wesentliches wie die Metamorphosen zusammen. Der Titel verweist weniger auf Ovid als auf Goethe, dessen Schriften Strauss zum zweiten Mal vollständig gelesen hatte, wie er dem Auftraggeber und Premieren-Dirigent Paul Sacher bekannte. Trösteten inmitten von Vernichtung und Krieg Goethes Gedanken zur ewigen Erneuerung der Natur? Als Strauss die Arbeit an den Metamorphosen aufnahm, lagen seine Wirkungsstätten in Schutt und Asche oder wurden auf Geheiß von Goebbels geschlossen.

PLASTISCH STATT PLAKATIV
Ungewöhnlich lange brütete Strauss über der Partitur. Am 12. April 1945, 26 Tage vor der deutschen Kapitulation, war sie vollendet. Mittlerweile hatte er beschlossen, das Spätwerk »der breiteren Öffentlichkeit vorzuenthalten« – zumindest bis zu seinem Ableben. Doch ihm war vergönnt, am Aufschwung nach Kriegsende teilzuhaben und versöhnlich Abschied von den Bühnen der Welt zu nehmen. Am 25. Januar 1946 gelangten die Metamorphosen in der Schweiz, wo Strauss vier Jahre Zuflucht fand, zur Uraufführung. Farbenfreude – sonst charakteristisches Merkmal seines Orchesters – ist monochromer Grisaille gewichen, plastisch und fein schattiert. Über den fahl verglimmenden letzten Tönen prangt IN MEMORIAM, und in der Tiefe kriecht der Trauermarsch aus Beethovens Eroica. Die Deutung fällt nicht schwer.

HADERND STATT HEROISCH
Im Januar 1946 war auch Prokofjews 5. Sinfonie in die Welt getreten. Gefeiert und mit Preisen dekoriert skizzierte ihr Schöpfer schon bald eine Sechste. Auch sie fand offene Ohren, als sie am 11. Oktober 1947 in Leningrad erstmals erklang. Doch das Blatt wandte sich im In- und Ausland. Den Sittenhütern des Sowjetregimes war sie zu dunkel und schroff. Tatsächlich taumelt selbst das gut gelaunte Finale in einen Abgrund, der giftige Es-Dur-Schwefeldämpfe speit und jener Helden spottet, die sich sonst in der Eroica-Tonart sonnen. Flammt nicht vielmehr im katastrophischen Kopfsatz Beethovens letzte Klaviersonate auf? Deren Opuszahl 111 ziert, als Zeuge einer zeitweilig angedachten Zueignung an Beethoven, die Sechste seines Verehrers Prokofjew.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.