19.30 Uhr
Großer Saal

Vorverkauf für Abonnenten und GHO Card Inhaber ab 13. Juni 2026. VVK Start ab 27. Juni 2026.

Kurt Weill — Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Oper in drei Akten auf einen Text von Bertolt Brecht

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»KRACH IN LEIPZIG«titelte der Bericht zur Leipziger Uraufführung: Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny [...] sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den…

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»KRACH IN LEIPZIG«
titelte der Bericht zur Leipziger Uraufführung: Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny [...] sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den Aufstieg. [...] In Leipzig bekommt man Bücher, Pelze, Fluchtgedanken und zur Messezeit kein Zimmer, in Mahagonny Whiskey, sangbare Ironien, Huren, einschmeichelnd formulierte Hinweise auf die Niederträchtigkeit der menschlichen Natur und Ordnung, sowie Bitterkeiten mit Füllung von verschiedenem Geschmack, der in keinem Fall jener der Leipziger Bürgerschaft ist.

»DASS MAN HIER ALLES DÜRFEN DARF«?
Mit anderen Worten: Die Leipziger Premiere der Brecht-Weill-Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am 9. März 1930 unter der Regie von Walther Brügmann und dem Dirigat Gustav Brechers geriet zum größten Theaterskandal der Weimarer Republik, wurde von der Lokalpresse als unverhohlen übelste kommunistische Propaganda diffamiert und löste heftige Stadtratsdebatten aus. Die Tumulte im Zuschauerraum waren von randalierenden NSDAP-Mitgliedern gezielt befeuert worden. Das Haus tobte derart, daß man auf der Bühne vom Orchester buchstäblich nichts mehr zu hören bekam, berichtet ein Korrepetitor. Brecher dirigierte die Oper kalkbleich zu Ende. Drei Jahre später musste der Opernkapellmeister während einer massiv von der SA gestörten Aufführung von Weills Silbersee das Dirigierpodium verlassen und schließlich aus dem Amt weichen. Auf der Flucht nahm sich Gustav Brecher 1940 gemeinsam mit seiner Frau das Leben. Weill, ebenfalls jüdischer Herkunft, emigrierte über Paris und London in die USA.

»VERMEIDEN SIE ANSTÖSSIGE GESÄNGE!«
Im März 1927 hatten sich der 29-jährige Brecht und der zwei Jahre jüngere Weill in Berlin kennengelernt. Das später zur dreiaktigen Oper erweiterte Mahagonny-Songspiel markiert den Beginn ihrer Zusammenarbeit. Verbrecher gründen die Fantasiestadt, in der man alles dürfen darf. Bald stellt die ausschweifende Gesellschaft fest: Schlimm ist der Hurrikan, schlimmer der Taifun, doch am schlimmsten ist der Mensch, verurteilt den Protagonisten wegen des Singens verbotener Lieder bei Hurrikan und ähnlicher Vergehen zum Tode, und torkelt vom Erfolgsrausch in den Katastrophenkater. Die lockere Form aneinandergereihter Sittenbilder des 20. Jahrhunderts fügt sich laut Weill zu einem Gleichnis vom heutigen Leben – ein Heute, das leider nie gestrig wird.

Text: Dr. Ann-Katrin Zimmermann

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