Gewandhauschor

Der GewandhausChor ist in seiner Geschichte eng mit dem Gewandhausorchester verbunden und kann auf eine Tradition von mehr als 150 Jahren zurückblicken. Berühmte Dirigenten haben mit dem Klangkörper zusammen gearbeitet, darunter die Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke, Arthur Nikisch, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Kurt Masur, Herbert Blomstedt und Riccardo Chailly sowie die Thomaskantoren Karl Straube, Günter Ramin, Kurt Thomas und Erhard Mauersberger.

1964 übernahm Andreas Pieske den GewandhausChor, ab 1980 wurde die Arbeit von Georg Christoph Biller fortgesetzt. In der Nachfolge sang der Chor unter Gewandhausorganist Michael Schönheit, ab 1992 unter Ekkehard Schreiber und von 1999 bis 2007 unter Morten Schuldt-Jensen. Seit der Spielzeit 2007/08 ist Gregor Meyer künstlerischer Leiter des semiprofessionellen Ensembles und probt mit den ambitionierten Sängern zweimal pro Woche.

Das Repertoire ist vielseitig und erfordert eine hohe Flexibilität der Stimme, es umfasst A-cappella- Musik verschiedener Stilepochen, große Chorsinfonik, aber auch Gospel, Soul, Pop und Jazz. Höhepunkte vergangener Spielzeiten waren unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Starposaunisten Nils Landgren, der Schauspielerin Katharina Thalbach und eine lange Chornacht zum 150. Jubiläum des GewandhausChores, die in der Uraufführung der Kantate „Die Geschichteder Chormusik“ nach einem Libretto von Herbert Feuerstein gipfelte. Die szenische Aufführung einer eigenen Version von Bachs fragmentarisch überlieferter „Markuspassion“ in einer für Gehörlose barrierefreien Konzeption erregte auch weit über klassikinteressierte Kreise hinaus große Aufmerksamkeit.

Weitere Höhepunkte der Chorarbeit sind die Konzertreisen ins Ausland. So gastierten die Sängerinnen und Sänger zuletzt auf Einladung des Goethe-Institutes in Indien und waren am Geburtstagskonzert für Papst Benedikt den XVI. im Vatikan beteiligt. Darüber hinaus gastiert der Chor bei Festivals wie dem Leipziger Bachfest, dem Kunstfest Weimar, dem Choriner Musiksommer oder den Stelzenfestspielen bei Reuth. Auch an außergewöhnlichen Veranstaltungsorten wie dem Leipziger Bildermuseum, im Völkerschlachtdenkmal, dem Theater am Rand, dem Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof, der Brikettfabrik Louise oder der Kölner Kultkneipe „Weißer Holunder“ ist der Chor schon aufgetreten. In Arne Birkenstocks erfolgreichem Dokumentarfilm „Sound of Heimat“ waren die Sängerinnen und Sänger sogar auf der Kinoleinwand zu erleben. Regelmäßig tritt der GewandhausChor mit dem GewandhausKinderchor, dem Chor der Oper Leipzig, dem MDR-Chor, dem Dresdner Kammerchor sowie mit dem Gewandhausorchester und anderen Instrumentalensembles auf. Auf dem Gebiet der historisch orientierten Aufführungspraxis verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit der camerata lipsiensis.

Verschiedene CD-, DVD-, Fernseh- und Radio-Produktionen runden das Aufgabenfeld des GewandhausChores ab. Zuletzt erschienen beim Label querstand im Herbst 2011 eine hochgelobte CD mit geistlichen Werken Franz Liszts und im Juni 2012 ein Live-Mitschnitt der Aufführung von Ferdinand Hillers „Zerstörung Jerusalems“ sowie beim Label Buschfunk eine gemeinsame CD mitL’art de passage, die sich dem Schaffen Friedrich Silchers in sehr freien Arrangements nähert.